Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 22)
- Language
- German
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86 R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter. alter das Bedürfniß nach Darlehen in seiner verschiedensten Gestalt hauptsächlich und berussmäßig von den Klöstern befriedigt wurdet. Leider erfahren wir wenig von der volkswirtschaftlichen Wirkung dieser Geschäftspraxis und von dem Geist, in dem sie geübt wurde. Dem Johannes von Gorze rühmt der Biograph nach, daß er niemals aus solchen Darlehnsgeschäften Nutzen gezogen habe Wenn er hinzufügt: <M usuris euw inservisse et sud speeie nwnastern neeessitatuin Inera unÄeeumMe aestimant eov^essisZS) ex suowet illnm in^enio metinutur^), so läßt das schließen, daß solche Uneigennützigst nicht immer die Regel war. Am ausführlichsten äußert sich Lambert von Hersfeld über die Geldgeschäfte der Klöster. 1071 erwirbt Robert, früher Abt von Bamberg, den erledigten Abtstuhl von Reichenau. Dieser, der den Beinamen Nummulai-Ws führte, hatte nach Lamberts Darstellung durch den schmutzigsten Gewinnst und Wucher (sorÄLäissimiZ yuaeZtidns et U8uris), den er schon als einfacher Mönch im Kloster getrieben, sich unermeßliches Geld zusammengescharrt ^). Lambert klagt bitter über das Einreißen Monistischer Ketzerei: für die lukrativen kirchlichen Würdenstellen würde jeder Preis gezahlt/inonaedis Lnter se von äe odservantia re^ulae selo dcmo, seä äe yuaestidus et U8uris selo amaro eontenäeutidus kevera von immerito — variirt er kurz darauf dasselbe Thema — OominuZ super nostrates menaedos äesxeetioneni eMnäere vläedatur. I^am ^uorunäain xseuäomovaedorurn xrivata lAnowinia nomen inonaoliyi'um vehementer inkavaaverat, Hni, ommisso stuäio äivwarum rerum^ totam oxeram xeeunlis et Maestidus iusnmedant.... miradatur munäuZ, unäe tantns peeuviAiiun seateret Auvius, uncle dresi et l'antall oxes in private domines eon^estas Lui38ent) et 608 potissimum Ii0mine8, c^ui eruei3 seanäaluln et xauxertatis titulum xraekerrent et praeter simplieem vietum et vestitum nidil rel iami1iari3 dadere 86 mentirentur Er jammert über die Herabwürdigung seines Standes: ita ut omnes similes ae8tiwaremur) nee e83e in nodis putaretur^ yui taeeret bonum, non e8se N8HNS aä nnuin ^). Es steckt viel rhetorische Übertreibung in diesen Sätzen. Wir werden auch im Auge behalten müssen, daß nsura nicht „Wucher" in unserm Sinne, sondern einfach „Zins" bedeutet, und daß vom streng kirchlichen Standpunkte auch der geringste Nutzen im Darlehngeschäft als verbrecherischer Gewinn gilt. Vergl. für die ältesten Zeiten der christlichen Kirche die Untersuchungen Loenings über die Theilnahme des Klerus an Handels- und Geldgeschäften. Geschichte des deutschen Kirchenrechts. I, Seite 172. 2) Siehe oben Seite III. 3) o. 87, N. 6., 88. IV 361. 4) I^amderti Serskeläsnsis ^.niial. Handausgabe Seite 91. 5) A. a. O. Seite 92. 6) Seite 96. Seite 97.