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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
Date
1887-01-01
Page
Seite 82 (sequence 18)
Language
German
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82 R- Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter. nennt. — Hehd will nach dem Sprachgebrauch Gregors Kostbarkeiten überhaupt darunter verstehen —, auch aus der gelegentlichen Notiz desselben Chronisten, welche einen Juden als Eigenthümer eines von Nizza nach Marseille fahrenden Schiffes nennt, wird man den generellen Schluß noch nicht ziehen dürfen, „daß jüdische Handelsschiffe in jener Zeit das Mittelmeer in seiner ganzen Ausdehnung durchsegelten." Wir haben bessere Belege für den ausgedehnten Handel der Juden zur See, und für ihre Vermittelung des Warenverkehrs mit dem Orient. Die wichtigsten führt Hehd selbst an. Der inonaeliuZ 8anAa11ensi3 erwähnt einen Juden zur Zeit Karls des Großen, welcher Palästina öfter zu besuchen und kostbare und unbekannte Dinge nach dem Abendlande zu bringen Pflegte'). Noch bezeichnender ist eine gelegentliche Aeußerung für die Beurtheilung jüdischer Schifffahrt. Unser Mönch berichtet über die verschiedenen Meinungen, die beim Herannahen einer Flotte in einer gallischen Hafenstadt laut wurden: alii ^uäeos, alii vero ^.frieanoZ, alii Lritannos raeroatores 6S8e (äleedaut)'). Ludwig der Fromme untersagt in einem Schutzbries^) für jüdische Kaufleute, ihre Schiffe unter dem Vorwande kaiserlichen Dienstes wegzunehmen. Das positivste Zeuaniß dafür, daß Juden als Großhändler fast die ganze damals bekannte Welt durchreisten, giebt Hehd selbst aus einer arabischen Quelle. Nach dem zeitgenössischen Bericht Jbn Kordadbehs ^) bereisten um die Mitte des 9. Jahrhunderts jüdische Kaufleute auf vier näher beschriebenen Routen die ganze Strecke vom Lande der Franken bis nach Indien und China. Hehd fügt daran die Bemerkung: „Wir lesen in diesen Aufzeichnungen des wegekundigen arabischen Oberpostmeisters mit Erstaunen von diesen Verkehrsverbindungen in einer Zeit, in welcher die spärlichen Berichte der abendländischen Quellen nur einen ganz sporadischen Verkehr zwischen Europa und dem Morgenland anzunehmen gestatten würden." Sollte nach alledem noch ein Zweifel möglich sein, daß jüdische Kaufleute ganz oder wenigstens fast ausschließlich Gewürze, Arzneimittel, Farbstoffe, Schmuck, kostbare Gewebe und Waffen und was sonst noch an Schätzen des Morgenlandes begehrt wurde, nach Deutschland brachten. Der hier fast in allen älteren Städten vorkommende Pfefferzins der Juden weist noch in später Zeit auf ihren frühern Handel mit Specereien zurück 5).. Auch der Sklavenhandel ist nachweisbar in großem Umfange von ihnen betrieben worden^).!) Jaffe, klon. Oarol. S. 644. y Ebendas. S. 687. 3) 50rin. iinp. No. 37, N. 6. sset. V. I, 8. 314. ») AZiat. Serie 6, Bd. 5, 1885, S. 512 und Richthofen, China I, 8. 588. Siehe Heyd a. a. O. I, S. 140. 5) Vergl. beispielsweise für Trier: Beyer, Mittelrh. H. L. II, S. 400; Köln: Lacomblet, Niederrh. H. V.I, Nr. 433. Worms: Mone, Zeitschr. s. Gesch. d. Oberrh. 15, S. 293; Erfurt: Kirchhoff, die ältesten Weisthümer d. Stadt Ers. S. 280. e) Siehe die Belege bei Stobbe, S. 200, Note 8.

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