Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 17)
- Language
- German
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R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter. 81 Wir werden wohl vorzugsweise an Syrers, daneben an Griechen und Italiener, für Deutschland auch an Friesen zu denken haben. Immerhin tritt die Bedeutung der Juden für den Handel am meisten in den Vordergrund. Für das Deutschland der sächsischen Kaiserzeit wird die entscheidende Antheilnahme 5er Juden am Handel von keiner Seite bestritten. Allerdings waren die wirtschaftlichen Zustände Deutschlands verhältnismäßig noch wenig entwickelt. Die Karolingische Weltmonarchie hatte in dieser Beziehung die heterogensten Gebiete zusammengefaßt und es ist nicht zulässig, alle Bestimmungen der Capitularien ohne Weiteres in ihrer Geltung auf das ganze Reichsgebiet auszudehnen. Das eigentliche Deutschland stand auf der niedrigsten Stufe. Es fragt sich, in welchen Grenzen die Handelsvermittelung der Juden überhaupt hier Raum fand. Eine einfache Naturalwirtschaft sorgte in ihren geschlossenen Kreisen für die unentbehrlichsten Bedürfnisse des täglichen Lebens. Von einem regelmäßigen Handel mit Getreide und Vieh wissen wir nichts. Nur bei Massenanhäufungen an kirchlichen Festen, oder bei Versammlungen der Großen hatte der Lebensmittel- und Futtermarkt schon früh Bedeutung gewonnen. Umfangreicher mochte sich Angebot und Nachfrage in Wein, wollenen Tücken, Pelzwerk und Waffen gestalten. Aber das alles sind Artikel, die Deutschland selbst producirte, und sehen wir von einem etwaigen Export ab, so war fremde Vermittlung gar nicht Noch, oder sie konnte doch rasch durch heimische Concurrenz verdrängt werden. Wenn der jüdische Handel Jahrhunderte hindurch überragende Geltung behauptete, so mußte seine Bedeutung nach einer andern Seite liegen. Es ist nicht schwer, darüber klar zu werden. Nur wenn die Juden gewissermaßen das Monopol für bestimmte und vielbegehrte Waaren und Handelsartikel hatten, ist ihre Thätigkeit und ihr dauernder Einfluß im Geschäftsverkehr verständlich. Und dieses Monopol hatten sie in der That: Die Schätze und Kostbarkeiten des Orients waren zunächst nur durch ihre Vermittelung zu erlangen. Ihr trotz aller Zersplitterung festgehaltener Zusammenhang über alle christlichen und mohamedanischen Reiche der Welt ist bekannt. In den großen Verkehrsplätzen des Abendlandes, in Narbonne, Marseille, Arles, Genua, Neapel, Palermo saßen die Juden, wie Hehd in seiner Geschichte des Levantehandelshervorhebt, schon in früher Zeit dichtgedrängt. Ob nun aber diese occidentalischen Juden damals auch den Orient in den Kreis ihrer Handelsthätigkeit zogen, das ist nach Hehd „eine Frage, welche erst discutirt werden muß." Ich will nicht Gewicht darauf legen, daß Gregor von Tours mehrfach „Speeles" als Waare in den Händen jüdischer Kaufleute 5) Ueber die Stellung der Syrer im Abendlande, vergl. die Untersuchung von Scheffer-Boichhorst, Kleinere Forschungen zur deutschen Geschichte in Mttheilungen des Lsterr. Instituts Bd. 6, S. 521. 2) Bd. I, S. 139. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. 6