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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 61

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 61 (sequence 17)
Language
German
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Franz Muncker, Moses Mendelssohn nnd die deutsche Literatur. 61 Nicht so leicht waren die Gegensätze auszugleichen, welche sich allmählich zwischen einige mit Lavater geistesverwandte Schriftsteller und Moses drängten. Trotz wiederholter persönlicher und brieflicher Berührungen konnte sich zwischen ihm und Hamann kein dauernder, reger Verkehr entwickeln. Wenn irgend wer, so darf Hamann der geistige Antipode Mendelssohns genannt werden, er, der Todfeind des aufklärerischen Rationalismus, der Herold christlich-religiöser Glaubensbegeisterung, der leidenschaftliche Gegner der logisch sondernden Verstandeskritik, der Verkündiger einer volksthümlichen Urpoesie, der Verächter jeder formalen Korrektheit. Moses fühlte es und sprach es brieflich gegen Hamann halb scherzend aus, daß ihr öffentlicher wie ihr Privatcharakter „angeborne Gramschaft" auswies. Hamanns „Kreuzzüge des Philologen" zeigte er 1762 in den „Literaturbriefen", wie zwei Jahre zuvor seine „ Somatischen Denkwürdigkeiten für die lange Weile des Publikums", als ein unzweifelhaftes Werk des Genies an, tadelte aber seinen sonderbaren, krausen Stil unumwunden. Doch erst nach mehr als zwei Jahrzehnten brach die Verschiedenheit ihres Wesens in offene Gegnerschaft aus, als Hamann 1784 Mendelssohns Schrift „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum", die „Verkündigung einer großen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrückenden Reform", als welche Kant das Buch rühmte, durch seine leidenschaftliche Brochure „Golgatha und Scheblimini" heftig bekämpfte. In eine verhängnißvollere Fehde gerieth Moses um dieselbe Zeit mit einem andern, an spekulativem Geist und wissenschaftlicher Methode Hamann weit überlegenen Bertheidiger der Glaubensphilosophie, mit Friedrich Heinrich Jacobi. Er hatte im Frühling 1783 Lessmgs Geistes-und Herzensfreundin Elise Reimarus intim kennen gelernt, ihr seinen Plan mitgetheilt, etwas über den Charakter des theuren Verstorbenen aufzusetzen, und darauf durch ihre Vermittlung Kunde erhalten von einem Gespräche Jacobis mit Lessing, in welchem sich dieser wenige Monate vor seinem Tode unbedingt zum Spinozismus bekannt haben sollte. Die Nachricht regte Mendelssohn nicht wenig auf. Er erbat sich genaueren Aufschluß von Jacobi, und ein ausführlicher Briefwechsel über die Lehre des Spinoza und Lessings Verhältniß zu derselben entspann sich zwischen ihnen, ein Briefwechsel, in welchem sich unzweifelhaft Jacobi viel vertrauter mit dem wahren System des pantheistischen Denkers zeigte als sein Korrespondent. Moses sah dies selber sogleich ein und beschloß, sich neuerdings eingehend, so weit seine der größten Schonung bedürftige Gesundheit es erlaubte, mit Spinoza zu beschäftigen, bevor er einen literarischen Gang mit den „All-Einern" wagte. Aber Jacobi kam ihm zuvor und ließ 1785 ihren ganzen Briefwechsel in seiner Schrift „Ueber die Lehre des Spinoza" drucken. Die Veröffentlichung kränkte Mendelssohn aus mehr als Einem Grunde: er sah sein eignes Verhältniß zu Lessing, der ihn, seinen liebsten Freund, doch nicht seines vollen Vertrauens in den höchsten Fragen gewürdigt haben sollte, in ein falsches Licht gerückt; er sah den Verstorbenen mit einem Vorwurfe belastet, der nach dem Glauben der Zeit gleichbedeutend mit der Anklage des Atheismus war. Um davon den todten Freund zu retten, verfaßte er rasch sein letztes Schristchen, das erst nach seinem Tode ans Licht trat, „An die Freunde

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