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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 52

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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^2 Franz Muncker, Moses Mendelssohn und die deutsche Literaturstens ziemlich undeutlich aus: „Damals fing man an zu benennen mit dem Namen des Ewigen." Und so ging es ihm in der Regel. Es gelang ihm fast durchaus, den Sinn des Originals richtiger und bestimmter zu treffen als der deutsche Reformator; meistens hat aber darunter der sprachliche Ausdruck seiner Übersetzung gelitten. Dazu trug vor allem noch ein Umstand bei. Während Luther im allgemeinen wie das hebräische Original kurze Sätze in der schlichtesten Weise durch koordinirende Partikeln an einander reihte und sogar das 1, das durchschnittlich zweimal in jeder Zeile des Grundtextes begegnet, fast immer mit „und", höchstens dann und wann auch mit „da" übertrug, bildete Mendelssohn größere Perioden, subordinirte die logisch zusammengehörigen Sätzchen und Satzglieder unter einander und wechselte auch außerdem beständig mit den Verbindungswörtern. Für die genannte hebräische Conjunction brauchte er z. B. bald „und", bald „da", bald „aber", „nun", „so", „also" u. s. w.; sehr oft ließ er sie auch ganz unübersetzt. Mitunter zwar wurde durch diese Periodisirung der ursprüngliche Sinn des Originals, den Luther völlig verfehlt hatte, erst klar (z. B. Psalm 8, 4—5); öfter aber veränderten jene Mittel einer reifern Darstellungsknnst allzu sehr den Charakter der altisraelitischen Rede. Der einfache, naive Erzählungston, der den historischen Büchern der Lutherischen Bibel denselben eigenartigen und unvergänglichen Reiz verleiht, den sie in der Ursprache besitzen, klingt uns aus Mendelssohns Uebertragung nicht entgegen. Die Ausdrucksweise darin, namentlich der Satzbau, erinnert zu oft an den wohl überdachten Stil des philosophischen Schriftstellers. Mendelssohn hat die künstlerische Seite seiner Aufgabe keineswegs vernachlässigt. Das beweist zur Genüge die Sorgsalt, mit welcher er nach Ramlers strengen Grundsätzen die äußere metrische Form bei seiner Verdeutschung der Psalmen und des Hohen Liedes bildete. Aber leider begnügte auch er sich, wie Ramler und die meisten seiner Schüler, mit dieser äußern Formrichtigkeit; der rhythmische Sinn war bei ihnen allen weniger entwickelt und eben so wenig empfanden sie es besonders störend, wenn in die poetisch gehobene und pathetisch erregte Sprache sich öfters niedrige oder nüchterne Ausdrücke und Wendungen eindrängten. Selbst überflüssige Flickwörter blieben nicht immer verbannt; doch verdient Mendelssohn in dieser Hinsicht nur geringen Tadel. Aber mit Luthers Uebersetzung der hebräischen Lyrik kann sich seine Verdeutschung, was ihren poetischen Gehalt betrifft, nicht messen. Dort haben wir den Eindruck, als ob ein altorientalischer Dichter frei und unmittelbar in unsrer Sprache zu uns rede; hier vernehmen wir immer nur den kunstsinnigen Dolmetsch fremder Gefühle. Luthers Psalmen muthen uns wie deutsche Originalgedichte an, Mendelssohns Psalmen nur wie vorzügliche Übersetzungen. Ja, bisweilen scheint selbst dieses Lob zu überschwänglich. Wie befremdlich klingt nicht z. B. der Anfang des 103. Psalms bei ihm! „Meine Seele benedeie dem Herrn, All mein Inniges seinem heiligen Namen: Meine Seele benedeie dem Herrn! Vergiß nicht aller seiner Wohlthat!"

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