Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Franz Muncker, Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur. 51 eine rationalistische Erklärung gegeben. Noch viel entschiedner schlug Mendelssohn dasselbe Verfahren bei den Psalmen ein; seine Übertragung nahm hier an einzelnen Stellen geradezu den Charakter einer Paraphrase an. So gab er unter anderm den siebenten Vers des 141. Psalmes, den Luther (auch Michaelis) einfach nach dem Hebräischen übersetzt hatte „Unser Gebeine sind zustreuet bis zur Hölle, wie einer das Land zureißt und zuwühlet", erläuternd und ergänzend wieder: „Des Landmanns, der im harten Boden wühlet. Und unser königlich Gebein Zerfällt ja beides an der Gruft." Dabei ließ sich zudem noch öfters über die Richtigkeit seiner Deutung streiten. Im 110. Psalm z. B. faßte er den vierten Vers anders als die allermeisten Uebersetzer und Kommentatoren vor ihm. „Der Herr hat geschworen, und wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich, nach der Weise Melkisedek" hatte Luther, ähnlich (nur „über das Heiligthum Melchisedeks") auch Michaelis geschrieben. Anders hatte Herder (Vom Geist der ebräischen Poesie, II. Theil, 11. Kapitel) den Vers gegliedert: „Geschworen hat Jehovah; Nie reuet ihn der Schwur: Du sollt mein Priester sein auf ewig hin! Ich ordne dich mir zum Melchisedek!" Halb stimmte Mendelssohn ihm zu, erklärte aber 'TNIN^I? als einfache Betheuerung — „auf mein Wort." Da jedoch im deutschen dieser Ausdruck viel alltäglicher und darum schwächer klinge als im Hebräischen — er kommt nur an dieser Stelle in der ganzen Bibel vor—, umschrieb ihn Mendelssohn durch einen stärkern, gesuchtem, verrückte dadurch aber zugleich den Sinn des Satzes noch einmal um ein Weniges: „Der Ew'ge schwur, ihn reuet nichts: Du bist der Gottheit Diener ewig! Der Sänger täuscht nicht, König Zedeks!" Die sprachlichen oder sachlichen Jrrthümer der Lutherischen Übersetzung, die zum Theil schon Michaelis und gleich strebende Forscher berichtigt hatten, hat Mendelssohn wohl ziemlich überall vermieden. Von der Verwirrung z. B., die Gott unter den die Israeliten verfolgenden Aegyptern anrichtete, heißt es in der „Exodus" (14, 25): °W l^^O"! Luther mißverstand die zweite Hälfte des Satzes und übersetzte: „Und stieß die Räder von ihren Wagen, stürzet' sie mit Ungestüm." Schwerfälliger aber richtiger schrieb Mendelssohn: „Er ließ die Räder sich von den Wagen absondern und führte sie mit beschwertem Zuge." Ein andres Beispiel: Kam, der grollend sein Auge auf den Boden heftet, wird von Gott gewarnt (Genesis 4, 7): I^y-Qd; „Wenn du fromm bist, so bist du angenehm", hatte Luther das sehr ungenau wiedergegeben. Korrekt, aber unendlich nüchtern schrieb Mendelssohn: „Wenn du dich gut aufführst, kannst du auch deine Augen emporheben." In dem Schlußvers des nämlichen Kapitels, wo Luther falsch übersetzte „Zu derselbigen Zeit fing man an zu predigen von des Herrn Namen" (7N/1'. drückte er sich wenig-