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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 50

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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50 Franz Muncker, Moses Mendelssohn und die deutsche Literatur. es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebet, auf dem Wasser", hatte Luther den zweiten Vers der „Genesis" gewiß nicht allzu frei übersetzt. Mendelssohn aber kam dem Original noch näher: „Die Erde aber war unförmlich und vermischt; Finsterniß auf der Fläche des Abgrundes, und der göttliche Geist webend aus den Wassern." Sogar das suchte er wenigstens das eine Mal besonders auszudrücken: „auf der Fläche". Aehnlich wahrte er die Participialconstruction bei den Worten, die Gott dem ersten der zehn Gebote beifügt (Exodus, 20,5—6): „Denn ich, der Ewige, dein Gott, bin ein eiservoller Gott, der das Verbrechen der Väter ahndet . . . , der aber Gnade erzeigt ..." Luther hatte mit dem zweiten Glied einen neuen Hauptsatz begonnen: „Und thu' Barmherzigkeit . . ." Viel aufmerksamer als Luther behandelte Mendelssohn namentlich den Artikel. Gleich den ersten Vers der Heiligen Schrift übertrug er demgemäß korrekt: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde." Im weiteren Verlauf des nämlichen Kapitels hatte Luther gleichmäßig übersetzt: „Da ward aus Abend und Morgen der erste, der ander, der dritte, der sechste Tag." Im Hebräischen steht aber nicht nur das erste Mal die Kardinalzahl, sondern es ist auch nur bei der letzten Wiederholung dieses Satzes, beim sechsten Tage, der bestimmte Artikel gesetzt. Dem zufolge wechselte Mendelssohn, der hier auch die übrigen Worte der Phrase streng dem Urtexte nachbildete, mehrfach im Ausdruck: „Da ward Abend und ward Morgen, Ein Tag" — „So ward Abend und ward Morgen, der zweite (dritte:c.) Tag" — „Also ward Abend und ward Morgen, derjenige sechste Tag, da vollendet worden die Himmel, die Erde und ihr ganzes Heer." Wo im Hebräischen verwandte Begriffe durch verschiedne Worte angedeutet waren, hatte Luther mitunter sich mit Einem deutschen Ausdruck beholfen. So schrieb er von Pharao regelmäßig, Gott habe sein Herz verstockt oder sein Herz sei verstockt worden; nur ganz selten brauchte er auch das Verbum „verhärten" (Exodus, 7 ff.). Mendelssohn wandte hier eine viel größere Auswahl von Worten auf, wie es der Wechsel der Ausdrücke im Urtext erforderte; ja er ging noch weiter und übertrug sogar das gleiche hebräische Verbum auf mehrfache Weise (vgl. Exodus 10, 20 und 14, 4, 8). Dagegen verfuhr er freier mit der Sprache des Originals, wenn die wörtliche Wiedergabe zu einem Mißverständnisse, zu einer falschen oder auch allzu niedrigen Vorstellung führen konnte. Er legte somit in seine Übersetzung oft zugleich eine Erklärung hinein, manchmal sehr einfach und geschickt, so daß man seine größere Freiheit gegenüber der Buchstabentreue Luthers unbedingt billigen muß; so wenn er z. B. (Genesis, 27, 1) Esau den „ältesten", nicht den „größern" Sohn Isaaks nannte. Bedenklicher war es schon, wenn er etwa (Genesis, 6, 2) Luthers wörtliche und schöne Verdeutschung des Urtextes „Da sahen die Kinder Gottes nach den Töchtern der Menschen" durch die nüchterne Auslegung ersetzte: „Da sahen die göttlichen Menschen die Töchter des gemeinen Mannes". So weit war hier nicht einmal Michaelis gegangen, mit dem Mendelssohn sonst, wo er auffallend von Luther abwich, meistens im Einklang sich befand; er hatte hier die Lutherische Übersetzung im Texte belassen und dazu in Klammern

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