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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 43

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 43 (sequence 43)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 43 nommen werden? Das Wesen der Religion muß unverändert bleiben, aber gerade um ihretwillen und nicht aus Leichtfertigkeit und Bequemlichkeit traten Männer im Judenthum auf, die eine entschiedene Reform forderten. Das Juden> thum hat gewiß Institutionen, deren Bedeutung niemals aufhören wird. Eine solche Institution ist z. B. das Gesetz des wöchentlichen Ruhetags, diese unschätzbare soziale und religiöse Wohlthat, welche die civilisirte Welt dem Judenthum zu verdanken hat; von einem solchen Gesetze, welches an und für sich und in allen Fällen seinen Zweck erfüllt, kann man sagen, daß der göttliche Gesetzgeber es für alle Zeiten bestimmt hat. Nicht aber vom ganzen „Ceremonialgesetz", mit welcher an und für sich nicht passenden Benennung Mendelssohn alle Religionsgesetze bezeichnet hat, ohne aus den von ihm gewiß nicht verkannten wesentlichen Unterschied auch der noch geltenden biblischen Vorschriften aufmerksam zu machen. Die neuere, mitLeopoldZunz beginnende Wissenschaft des Judenthums erkennt nach der Auffassung AbrahamGeigersinder Tradition das Prinzip des lebendigen Geistes und des Fortschritts nach veränderten Verhältnissen und leitet aus ihm die Berechtigung zu der von Vielen erstrebten Umgestaltung her, wie sie in unsrer Zeit unabweislich geworden ist und theilweise auch schon begonnen hat. Diese Wissenschaft hat sich die Aufgabe gestellt, die Grundgedanken des Judenthums in ihrer Tiefe zu erfassen, und darauf hinzuwirken, daß jeder Zwiespalt zwischen Leben und Überzeugung aufhöre. Die Männer dieser Richtung kämpfen aufs entschiedenste gegen die durch äußern Formendienst entstehende verderbliche Werkheiligkeit, fordern überall volle innere Wahrhaftigkeit, wie sie dem Geiste und der Geschichte des Judenthmns entspricht, und dringen auf Beseitigung aller Mißbräuche und veralteten Formen. Die Reformbestrebungen im heutigen Judenthum setzen das Werk Mendelssohns fort und sind in seinem Geiste dahin gerichtet, den alten Gegensatz zwischen prophetischem und gesetzlichem Iudenthum von Grund aus zu überwinden. Man hat Mendelssohn mit Unrecht der inneren Widersprüche beschuldigt. Er stand vermittelnd am Beginne einer neuen Zeit und suchte den von verschiedenen Seiten in Betracht kommenden Ansichten gerecht zu werden. In ihm selbst war kein Zwiespalt, und wie er mit allen seinen Gefühlen der väterlichen Religion anhing und vermöge seiner Geistesrichtung zugleich vernunftmäßige Erkenntniß erstrebte und verbreitete, im übrigen aber die Zweifel an den im natürlichen Menschenverstände liegenden höchsten Ideen als Klügeleien betrachtete, so war die ihn bei allen Bestrebungen leitende religiöse Weltanschauung durchaus einheitlich und harmonisch. Liebe zur Wahrheit und Liebe zum Frieden, zu denen er mit den Worten des Propheten ermahnte, waren in seinem Wesen vereinigt. In dem Vorberichte zu den „Morgenstunden" bemerkte Mendelssohn, daß er seit mehreren Jahren der philosophischen Speculation entsagen mußte und neuere philosophische Schriften, namentlich die Kants nicht gründlich kenne. Bereits hatte die „Kritik der reinen Vernunft" den Bau

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