Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Moses Mendelssohn und das Judenthum
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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40 vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Zudenthum. zu geben; so laut, so öffentlich, so über alle Zweifel und Bedenklichkeit hinweg zu erkennen zu geben, als Er das Gesetz selbst gegeben hat!" ') Schließlich redete er seine christlichen Mitbürger an: Er könne nicht voraussetzen, daß sie die Juden deshalb von ihren Menschenrechten ausschließen würden, weil sie ihre eigenen Religionsgesetze beobachten. Was die Verheißung von einem Hirten und einer Heerde betrifft, so „braucht weder die ganze Heerde auf Einer Flur zu weiden, noch durch Eine Thür in des Herrn Haus ein- und auszugehen." „Brüder!" sagt er, „ist es Euch um wahre Glückseligkeit zu thun, so lasset uns keine Übereinstimmung lügen, wo Mannigfaltigkeit offenbar Plan und Endzweck der Vorsehung ist. Keiner von uns denkt und empfindet vollkommen so, wie sein Nebenmensch". Allgemeine Glaubenssormeln würden doch keine wirkliche Vereinigung herbeiführen, da jeder im Grunde doch mit denselben Worten eine andere Meinung verbinden würde; nur Heuchelei und Geisteszwang könnten die Folgen sein. Möchten doch die Fürsten in ihren Staaten keinen Menschen „Herzenskündiger und Gedankenrichter" sein lassen. „Wenn wir", so lautet dies Schlußwort, „dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, so gebet ihr selbst Gott, was Gottes ist! Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden!" Den allgemeinen Eindruck, den „Jerusalem" hervorbrachte, bezeichnen am besten die oft angeführten Worte Kants in dem Briefe an Mendelssohn vom 18. August 1783: „Ich halte dieses Buch für die Verkündigung einer großen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrückenden Reform, die nicht allein Ihre Nation, sondern auch andere treffen wird. Sie haben Ihre Religion mit einem solchen Grade von Gewissensfreiheit zu vereinigen gewußt, die man ihr gar nicht zugetraut hätte und dergleichen sich keine andere rühmen kann . . . ." Herder, der im Ganzen sich ebenfalls zustimmend erklärte, wies doch auf die Unvollkommenheit des Staates hin, die auch auf die Kirche einwirke, und meinte, es möge „immer noch gut sein", wenn die Kirche „einigen Halt für sich hat". Herders Freund hingegen, Hamann, der auch zu Mendelssohn in freundlicher Beziehung stand, wandte sich mit seiner Schrift: „Golgatha und Scheblimini" gegen Mendelssohn und die ganze Zeitrichtung. Mit seiner letzten größern Schrift kehrte Mendelssohn wieder zur Philosophie zurück, von der er ausgegangen war. In seinen im Herbst 1785 erschienenen „Morgenstunden" begründete er in lichtvoller Weise den Hauptinhalt der allgemeinen Religion als Lehren der Vernunft. Auch hierbei handelte es sich zugleich, besonders da durch das Borgehen Jacobis die philosophischen Überzeugungen Lessings in Betracht kamen, um eine persönliche Frage für Mendelssohn. In dem Streite mit Jacobi gab er wenige Tage vor seinem Tode seine letzte Schrift: „An die Freunde Lessings" in den Druck, in welcher er auch auf seine im „Jerusalem" erörterten Ansichten über das positive Judenthum in Kürze zurückkam. l) Ähnlich III, 166 f., wo M. auch über die messianischen Hoffnungen spricht.