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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 35 (sequence 35)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach. Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 35 ersten Abschnittes schließend, weist er nochmals auf das Wesen der Religion hin, die nur am Seile der Liebe leitet, kein zeitliches Gut spendet, auf kein irdisches Gut sich ein Recht anmaßt, auf kein Gemüth äußerliche Gewalt übt. „An diesen Merkmalen erkenne ich dich, Tochter der Gottheit! Religion! die du in Wahrheit allein die Seligmachende bist, auf der Erde, sowie im Himmel". Bann und Verweisung sind eine Seelenqual, die nur dem empfindlich ist, der wirklich Religion hat. „Gehet die Unglücklichen alle durch", ruft er aus, „die von jeher durch Bann und Verdammniß haben gebessert werden sollen; Leser! welcher äußerlichen Kirche, Synagoge oder Moschee Du auch anhängest! untersuche, ob Du nicht in dem Hausen der Verbannten mehr wahre Religion antreffen wirst, als in dem ungleich größeren Hausen ihrer Verbanner?" Der zweite Abschnitt ist vornehmlich gegen den vom mosaischen Gesetze hergenommenen Einwurf gerichtet, „der hauptsächlich diese Schrift veranlaßt hat". Wie bereits bemerkt, hatte der Verfasser der Schrift „Das Forschen nach Licht und Recht" gegen Mendelssohn behauptet, daß dessen Grundsätze dem Glauben seiner Väter widersprächen. „Das ganze Kirchensystem Mose", bemerkte er u. a., „war nicht nur Unterricht und Anweisung zu Pflichten, fondern es war zugleich mit dem strengsten Kirchenrechte verbunden. Der Arm der Kirche war mit dem Schwerte des Fluchs bewaffnet .... Das bewaffnete Kirchenrecht ist immer einer der vorzüglichsten Grundsteine der jüdischen Religion selbst .... In wie fern können Sie, mein theurer Herr Mendelssohn, bei dem Glauben Ihrer Väter beharren und durch Wegräumung seiner Grundsteine das ganze Gebäude erschüttern, wenn Sie das durch Mosen gegebene, auf göttliche Offenbarung sich berufende Kirchenrecht bestreiten?" „Dieser Einwurf", sagte Mendelssohn, „dringet an das Herz. Ich muß gestehen, daß die Begriffe, die hier vom Judenthum gegeben werden, bis auf einige Unbehutsamkeit im Ausdruck, selbst von vielen meiner Religionsbrüder dafür angenommen werden". Wenn es sich so verhielte, so müßte er allerdings seine Sätze mit Beschämung zurücknehmen und die Vernunft dem Joche des Glaubens unterwerfen. „Doch nein! was sollte ich heucheln?" Autorität kann die Vernunft niederschlagen, aber nicht fesseln. Er könnte der Vernunft höchstens Stillschweigen gebieten; aber seine nicht widerlegten Gründe würden im geheimsten Winkel seines Herzens dennoch wiederkehren, sich in peinigende Zweifel verwandeln, und die Zweifel würden sich in kindliche Gebete, in inbrünstiges Flehen um Erleuchtung auflösen. Hart und kränkend bleibe es aber in allen Fällen, wenn man ihm die gehässige Absicht zuschreibe, die Religion, zu der er sich bekennt, umzustoßen und ihr gleichsam unter der Hand zu entsagen. Ja, der ungenannte Verfasser der Schrift war so weit gegangen, ihn mit den Worten anzureden: „Sollte der jetzt von Ihnen gethane merkwürdige Schritt wohl wirklich ein Schritt von Erfüllung der ehemals an Sie ergangenen Lavater'schen Wünsche sein? .... Vielleicht sind Sie jetzt dem Glauben der Christen näher getreten, indem Sie .... das Freiheitssystem des vernünftigen Gottesdienstes nunmehr selbst lehren, welches das eigentliche Gepräge der christlichen Gottesverehrung ausmacht, nach welchem wir ... den wahren Gottesdienst 3*

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