Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Moses Mendelssohn und das Judenthum
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259315-2263057--0040-2263105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 33 Titel der 1782 erschienenen Schrift eines Ungenannten, die Dohm mit der Herausforderung Lavaters verglich, die von Anderen aber nachher als eine Anreizung zur Bekämpfung des Christenthums betrachtet wurde. ') Und so wurde denn die allgemeine Religionsfrage wieder zugleich zu einer persönlichen für Mendelssohn, über die er sich öffentlich erklären mußte, und zwar nunmehr in ihrer ganzen Ausdehnung und Bedeutung. Er mußte nicht nur seine Ansichten über Staat und Kirche weiter ausführen, sondern auch seine Überzeugungen über das Wesen des Judenthums eingehend darlegen und philosophisch begründen, um damit sowohl sich selbst zu rechtfertigen, als auch seinen Religionsgenossen eine feste Grundlage für die Auffassung des Judenthums zu geben. Diesem doppelten Zwecke diente seine 1783 erschienene Schrift: „Jerusalem, oder über religiöse Macht und Judenthum", die zwar nicht von Schwächen frei war, aber durch Scharfsinn, Gedankenreichthum, Wahrheitsliebe, Entschiedenheit und Freimüthigkeit, wie durch tiefe allumfassende Religiosität und durch die in edler Form sich kundgebende Milde der Gesinnung noch heute den wohlthuendsten Eindruck macht und für das Judenthum geradezu ein höchst wichtiges geschichtliches Ereigniß bildet. 11. <Z- Mendelssohns „Jerusalem" berührt sich vielfach mit Spinozas theologisch-politischem Tractat, der ja, wie schon auf dem Titel angezeigt ist, den Hauptzweck verfolgt, die Freiheit der philosophischen Untersuchung im Staate und in der Religion zu vertheidigen und als Bedingung des Friedens in beiden zu fordern. Bei genauerer Vergleichung dieser Schriften bleibt es aber merkwürdig, wie sie von einem und demselben Grundsatze der Gedankenfreiheit ausgehend, zu diametral entgegengesetzten Ergebnissen gelangen und einander völlig widersprechende Tendenzen verfolgen. Mendelssohn erwähnt Spinozas in seiner Schrift nicht, was aus deren Zweck erklärlich ist; sie hat aber unzweifelhaft auf ihn eingewirkt, und es ist interessant, daß in beiden Werken theilweise sogar dieselben Bibelstellen und Stellen aus jüdisch-theologischen Schriften in Betracht gezogen, aber in ganz von einander abweichender Weise aufgefaßt und angewandt werden. Es wäre auch unmöglich gewesen, daß zwei "so verschieden geartete Geister, wie Spinoza und Mendelssohn, gleiche Ziele verfolgt hätten, und es läßt sich auch nicht verkennen, daß Spinoza nach eben jenen von ihm erlittenen Verfolgungen, deren Wiederkehr im Judenthum Mendelssohn vorgebeugt wissen wollte, bei all seiner bewundernswerten sittlichen Höhe einige Bitterkeit gegen dasselbe nicht überwunden hat. Ein prinzipieller Unterschied beider beruht aber auf der Verschiedenheit ihrer Auffassungen der positiven Religionen; Spinoza betrachtete eine nach seinen Anschauungen!) Dohm II, 353. Isaak Euchel bemerktem seinerhebr. Biographie Mendelssohns (S. 40), die Absicht des Verfassers sei vereitelt worden; dessen Name sei bekannt geworden, und jedermann wußte, daß er nicht das Christenchum stärken, sondern nur Mendelssohn zum Angriffe gegen dasselbe reizen wollte, was ihm aber nicht gelang. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Teutschl. Z