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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 28

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Judenthum. zum Grunde unserer ferneren Unterdrückung. Man bindet uns die Hände, und macht uns zum Vorwurfe, daß wir sie nicht gebrauchen." Aus die greuliche Blutbeschuldigung übergehend, vor welcher bekanntlich schon Päpste warnten, äußerte er, daß er die Erfahrung gemacht habe, wie selbst einsichtsvolle und sonst nicht unbillig denkende Christen sich von diesem Borurtheile nicht ganz frei machen konnten, und fügte hinzu: „Solche ausrichtige Gemüther können vielleicht durch die Gründe des Rabbi Manasseh, und noch mehr durch den schrecklichen Reinigungseid, den er im Namen des ganzen Judenthums ablegt, und den ich mit reinem Gewissen hier nachspreche, auf bessere Gedanken gebracht werden. . . . Indessen sind alle Gründe und Eidschwüre nutzlos, wenn der Gegner nicht hören will." In den Göttinger gelehrtenAnzeigen hatte ein Recensent der Dohm'schen Schrift die Anschuldigungen gegen die Juden wiederholt. Er war es, der den Juden seiner Zeit auch die oben erwähnten Vorwürfe wegen der Vergehen der Vorfahren machte und damit ihre Unverbesserlichkeit beweisen wollte. Dieses Verfahren wies Mendelssohn u. A. mit den Worten zurück: „Er trägt sogar kein Bedenken, uns jetzt lebenden Israeliten die Unart vorzuwerfen und anzurechnen, deren sich unsere Vorfahren in der Wüste schuldig gemacht haben . . ., ohne in sich zu gehen und zu bedenken, was wohl seine eigenen Vorfahren, in nördlichen Einöden, um eben diese Zeit für Cultur gehabt haben mögen, aus denen doch heutiges Tages Recensenten in Götting'schen Anzeigen entsprungen sind!" ') Michaelis, der seit der Verhandlung überLessings Lustspiel in freundlicher Beziehung zu Mendelssohn stand und als Verfasser des 1770 erschienenen Werkes: „Mosaisches Recht" als Autorität in den das Judenthum betreffenden Fragen galt, besprach Dohms Schrift ausführlich in der „Orientalischen und exegetischen Bibliothek". Er billigte die Absichten Dohms, erklärte sich im allgemeinen mit ihm einverstanden, unterließ aber nicht, an sein früheres Urtheil über Lessings Stück zu erinnern. Seinen Erörterungen fehlte der freie und volle Zug des Geistes und Herzens; sie machen den Eindruck, als hätte es sich darum gehandelt, Kolonisten aus Asien ins Land zu rufen, nicht aber eingeborene Kinder des Vaterlandes zu entlasten, ihnen Raum zur Bethätigung ihrer Kräfte zu gewähren, ihnen die Wohlthaten des Staates zu vergönnen und sie zu nützlichen Bürgern heranzubilden. Es ist dies jene Art, bei welcher die vielen, wenn auch kleinlichen Bedenken, Zweifel, Vorbedingungen und Einschränkungen zusammen, aller Verwahrungen ungeachtet, die guten Gesinnungen schwächen und die besten Absichten sozusagen aufzehren. Dohm ließ seiner Schrift 1783 einen zweiten Theil folgen, in welchem er außer mehreren anderen Kundgebungen auch diese Recension (mit einigen Bemerkungen Mendelssohns) wiedergab und Punkt für Punkt widerlegte. Mendelssohn verfolgte aber mit seiner Vorrede noch einen andern, auf den tiefen Grund aller Religionsverfolgungen gerichteten Zweck. i) Schr. IH, 182. 187.

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