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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 27

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 27 Die Elsässer Juden ersuchten Mendelssohn, einer die Besserung ihrer Lage bezweckenden Denkschrift an den französischen Staatsrath die geeignete Fassung zu geben. Er that dieses nicht selbst, sondern wandte sich deshalb an den ihm befreundeten Kriegsrath Christian Wilhelm Dohm, der sich eingehend mit der Geschichte der Juden beschäftigt hatte. Dohm ging bereitwillig darauf ein, faßte aber seine Aufgabe allgemeiner und tiefer, behandelte die Frage umfassend und vom Gesichtspunkte des Staatswohls aus und veröffentlichte 1781 seine Schrift: „Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden", von welcher Gabriel Riesser mit Recht sagte, daß sie „ihren Gegenstand vollständig erschöpfte und die genügendsten Widerlegungen aller auch in der neuesten Zeit hie und da wieder zu Tage geförderten Einwendungen enthielt." ^) Dohms Schrift erregte allgemeines Aufsehen; gleichgesinnte Männer gaben in Privatbriefen ihre volle Zustimmung zu erkennen (u. A. auch der Geschichtsschreiber Johannes v. Müller) oder äußerten öffentlich ihre freudige Anerkennung, während andere die gewöhnlichen Vorwürfe gegen die Juden erhoben und die Erweiterung ihrer bürgerlichen Rechte für unmöglich oder doch höchst bedenklich erklärten. Zunächst zur Widerlegung aller derartigen Einwürfe gab Mendelssohn 1782 die auf seine Veranlassung von Markus Herz übersetzte Schrift: „Rettung der Juden", von Rabbi Manasseh Ben Israel heraus und begleitete sie mit einer ausführlichen Vorrede. Die Schrift des Rabbi, bemerkte er, habe ihm, da jetzt so viel über die Juden gesprochen werde, der Übersetzung nicht unwerth geschienen. „Merkwürdig ist es, zu sehen, wie das Vorurtheil die Gestalten aller Jahrhunderte annimmt, uns zu unterdrücken, und unserer bürgerlichen Aufnahme Schwierigkeiten entgegen zu setzen. In jenen abergläubigen Zeiten waren es Heiligthümer, die wir aus Muthwillen schänden: Crucifixe, die wir durchstechen und bluten machen; Kinder, die wir heimlich beschneiden und zur Augenweide zerfetzen; Christenblut, das wir zur Osterseier brauchen; Brunnen, die wir vergiften u. s. w.; Unglaube, Verstocktheit, geheime Künste und Teufeleien, die uns vorgeworfen, um derentwillen wir gemartert, unseres Vermögens beraubt, ins Elend gejagt, wo nicht gar hingerichtet worden sind. Jetzt haben die Zeiten sich geändert, die Verleumdungen machen den erwünschten Eindruck nicht mehr. Jetzt ist es gerade Aberglaube und Dummheit, die uns vorgerückt werden; Mangel an moralischem Gefühle, Geschmack und feinen Sitten, Unfähigkeit zu Künsten, Wissenschaften und nützlichen Gewerben, hauptsächlich zu Diensten des Krieges und des Staates, unüberwindliche Neigung zu Betrug, Wucher und Gesetzlosigkeit, die an die Stelle jener gröberen Beschuldigungen getreten sind, uns von der Anzahl nützlicher Bürger auszuschließen und aus dem mütterlichen Schöße des Staates zu verstoßen. Vormals gab man sich um uns alle erdenkliche Mühe . . uns zn Christen zu machen. . . Jetzt hat der Bekehrungseifer nachgelassen. Man fährt fort, uns von allen Künsten, Wissenschaften und andern nützlichen Gewerben und Beschäftigungen der Menschen zu entfernen; versperrt uns alle Wege zur nützlichen Verbesserung, und macht den Mangel an Cultur t) Riesfers Schriften II, 31.

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