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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Judenthum. berichtete über die in verschiedenen Sprachen vorhandenen Übersetzungen. U. A. berührte er auch die Entdeckung Elia Levitas, daß die dem hebräischen Grundtexte beigesetzten Vokalzeichen spätern Ursprungs sind, erklärte sich aber für die vermittelnde Ansicht Asarja de Rossis. In dem größtenteils von anderen Gelehrten ausgearbeiteten hebräischen Kommentar wurden neben den Auslegungen Raschis vornehmlich auch die Erklärungen des Samuel b. Meir, Aben Esra, David Kimchi und Nachmanides hervorgehoben und damit wieder auf den vernachlässigten Weg wissenschaftlicher Bibelforschung geführt. Mit dem ganzen Werke hat Mendelssohn die alten Bildungselemente des Judenthums mit denen der neuen Zeit vereinigt und eine Reform angebahnt, der sich auch die strenggläubigste Richtung nicht auf die Dauer entziehen konnte. — In ähnlicher Weise wirkte auch die Übersetzung der Psalmen, die Mendelssohn im Verlaufe mehrerer Jahre nach augenblicklicher Stimmung und Eingebung verfaßte und 1783 auf die Pentateuchübersetzung folgen ließ. Sie war sogleich für die größere deutsche Lesewelt bestimmt, wie denn auch Mendelssohn im Borwort bemerkte, daß er auch Michaelis und andere Vorgänger benützt und, was die Sprache betrifft, sich genauer an Luther, als an spätere Übersetzer angeschlossen habe. Auch die philosophischen Schriften Mendelssohns wurden von den Juden vielfach gelesen und regten ihr Interesse für die Werke der deutschen und fremdländischen Literatur an. Seine Schüler und Freunde machten es sich zur Aufgabe, die Bildung unter den Juden auch dadurch zu fördern, daß sie die Kenntniß der hebräischen Grammatik verbreiteten, das Beispiel eines richtigen und schönen Stils nach dem Muster der neuhebräischen Literatur der spanisch-arabischen Zeit gaben und poetische biblische Bücher ästhetisch auffaßten und erklärten. Alle diese und ähnliche Bestrebungen bewirkten später auch viele durch die Zeit gebotene Verbesserungen des Gottesdienstes, wie die Einführung der regelmäßigen deutschen Predigt und die Einschaltung von deutschen Gebeten, ja sogar den Versuch der Einführung eines wesentlich deutschen Gottesdienstes. ^> 9. <^ Für die Verbesserung der Lage seiner Religionsgenossen in besonderen Schriften aufzutreten, hielt Mendelssohn im allgemeinen für wirkungslos und kaum geeignet, weil die von Juden selbst erhobenen Ansprüche auf ihre bürgerlichen Rechte als parteiisch betrachtet wurden, zu Mißdeutungen Anlaß gaben und leicht die unter dem Einflüsse der Zeit nahezu verstummten 'öffentlichen Stimmen des Hasses und Vorurtheils wieder wachrufen konnten.') Dennoch führte seine schriftstellerische Stellung und Thätigkeit ihn gegen Ende seines Lebens zu einer wichtigen Schrift über das Wesen des Judenthums, welche die bei der spätern Entwicklung desselben in Betracht kommende Hauptfrage mit aller Bestimmtheit hervorhob. Aber auch hier behielt er den großen und allgemeinen Gesichtskreis im Auge.!) Schr. V, 640.

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