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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 25

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 25 in Lehre und Gesetz, noch weniger von einer sogenannten Glaubensvereinigung die Rede. Diese führt gerades Weges auf die gehässige Intoleranz. Alle Verfolgungen find von jeher im Namen und zum Besten dieser Glaubensvereinigung ausgeübt worden, und man hat diese, wie den gefährlichsten Feind des menschlichen Geschlechts und seiner Glückseligkeit, zu vermeiden und mit aller Macht zu verhindern; denn sie würde, wenn sie je erhalten werden könnte, unstreitig die alte Barbarei und den schrecklichen Geist der Verfolgung wieder emporbringen. Liebe und Haß sind nicht so sehr verschieden, als Ausbreitung der Erkenntniß Gottes von Glaubensvereinigung ...."') Von diesem Standpunkte betrachtet, sind die verschiedenen Religionen Theile eines weltumfassenden einzigen Gottestempels, gottgeweihte Hallen, deren Pforten Allen geöffnet sind, in denen nur Friede waltet und kein Wort der Verdammung eines Außenstehenden vernommen wird. 8. <^ Auf die Entwicklung des Judenthums hat Mendelssohn vornehmlich durch seine in den Jahren 1780 bis 1783 erschienene Übersetzung des Pentateuchs eingewirkt. >) Er hat damit das religiöse Leben der deutschen Juden in unmittelbare Beziehung zur neuen Bildung gebracht und dieselben dazu angeleitet, mit der reinen deutschen Sprache deutsches Geistesleben in sich auszunehmen und die religiösen Gefühle mit den vaterländischen zu vereinigen. Der Kampf, den die Übersetzung hervorrief und der geradezu zu einer Religionsfrage wurde, war ein Kampf der Unbildung gegen die Bildung, und ihre allmählich erfolgte Anerkennung und Einführung beim Jugendunterricht war ein Sieg des Zeitgeistes über veraltetes Herkommen und starre Abgeschlossenheit. Von nun an lernte der Schüler frühzeitig den hebräischen Grundtext Wort für Wort nach der Übersetzung Mendelssohns, und befähigte Knaben sammelten dadurch einen Schatz rein deutscher Wörter und Wendungen, der bei ihrem Eintritte in christliche Schulen ihre Lehrer zuweilen in Erstaunen setzte. Die Übersetzung, an welche man freilich nicht den Maßstab der späteren deutschen Übersetzungskunst anlegen darf, ist in reiner und edler Sprache gehalten und wurde, nachdem sie sich eingebürgert hatte, für unübertrefflich gehalten. Mendelssohn vermied dabei jeden Widerspruch gegen die Tradition, nicht nur, um Anstoß zu verhüten, sondern auch, weil es seine Überzeugung war, daß im Judenthum die Bibel im traditionellen Geiste aufgefaßt werden müsset) Im Übrigen befolgte er den alten Grundsatz, daß das Bibelwort stets auch seinen natürlichen und einfachen Sinn behauptet. In der ausführlichen hebräischen Einleitung behandelte er nach Talmud und späteren jüdischen Schriften einzelne den Ursprung des Pentateuchs betreffende Fragen und 1) Schr. IN, 234 ff. 2) S. über die Übers. A. Goldschmidt im Less.-Mendelss.-Gedenkb. S. 109 ff. 2) Johlson hat in den Vorreden zu seinen.. Übersetzungen des Pentateuchs und der früheren Propheten (1831 u. 1836) die Übersetzung Mendelssohns scharf kritisirt.

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