Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Moses Mendelssohn und das Judenthum
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 vi-. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das IudenLhum. Ausdruck: „Die Religion meiner Väter" hat diese Bedeutung, obwohl er sie nicht deutlich und tiefer erklärte, sondern mit Lessing nur geltend machte, daß jeder der ihm von seinen Vätern überkommenen Überlieferung den größten Glauben schenken müsse. Nur eine gottlose Weltbetrachtung kann annehmen, daß die rohe Gewalt den Gang der Geschichte dauernd bestimme. In Mendelssohn lebte der Geist Gamaliels, der im Synedrium, als über die Verfolgung des neuentstandenen Christenthums verhandelt wurde, das großartige Wort sprach: „Ist der Rath oder das Werk von den Menschen, so wird's untergehen; ist's aber von Gott, so könnt ihr es nicht zerstören"') (Apostelgesch. 5, 39); ein Wort, das der Menschheit viel Blut und großen Jammer erspart hätte, wenn es überall befolgt worden wäre und man es auf jede neue geistige Bewegung oder auch nur auf die Religionen angewandt hätte, die sich durch ihre von der göttlichen Vorsehung bewirkte Erhaltung als berechtigt erwiesen. Wo Macht gegen Macht kämpfte, hat man sich ja zuletzt doch noch zu einem „Religionssrieden" verstehen müssen. Manasse ben Israel wies auf das herrliche Gebet für den Neujahrstag und Versöhnungstag hin, welches die reinste Menschenliebe athmet und in welchem es u. A. heißt: „alle Kinder des Fleisches mögen deinen Namen anrufen". Dabei gebrauchte er die Worte: „Wir bitten auch um die Bekehrung der Nationen". Mendelssohn bemerkte dagegen: „Bekehrung (Conversion) war sicherlich nicht das eigentliche Wort, dessen sich der Rabbi hier bedienen wollte oder sollte. In allen Stellen, die er . . . anführt, findet sich keine Spur von Bekehrung zum Judenthum und allgemeiner Vereinigung zur Annahme ihrer Gesetze und Lehren, welches doch nur eigentliche Bekehrung sein würde .... Auch wäre ein solches Gebet ein ziemlich zweideutiger Beweis von Liebe und Verträglichkeit. Bei jedem Auto-da-se werden laute Gebete zur Bekehrung der Ketzer angestimmt, die man alsdann freilich, wenn das Gebet ohne erwünschte Wirkung ist, den Flammen übergiebt. Nach dem wahren Geiste des Judenthums erwarten wir eine Zeit, da sich die Erkenntniß Gottes . . . über alle Nationen ausbreiten . . . werde. In der äußern Form des Gottesdienstes wird und soll, nach dem Plane der Vorsehung, allezeit Mannigfaltigkeit bleiben .... Hier dem angeführten Gebetes ist von keiner Bereinigung meinte wohl damit die Voraussetzung, daß der Vater seine Kinder getäuscht habe, was zwar von ihm möglichst verdeckt wird, bei genauerer Prüfung aber immer noch störend bleibt. Nathan konnte Saladin gegenüber die verschiedenen Religionen nicht einander ganz gleichstellen und nur sagen, daß er in der von seinen Vätern ererbten Religion beharre. Man muß aber schon bei der Erzählung der Parabel an die Bedeutung denken. Der Vater, das heißt also Gott konnte die drei Religionen mit gleichen Kräften ausstatten und den Kindern anheimgeben, diese Kräfte wirksam zu machen. Mag auch etwas von dem Gedanken an Priestertrug in die Parabel eingeflossen sein, so ging doch Lessing von dem Hauptgedanken aus, daß keine Religion im ausschließlichen Besitze der Wahrheit sei, die ja kein Mensch vollkommen zu erkennen vermag. Nathan giebt seiner Religion nur den einzigen Vorzug, daß sie die ältere sei.!) Wie bekannt, wird im Judenthum das Bibelwort: „Von Gott ist die Sache ausgegangen" (Gen. 24, 50) sprichwörtlich gebraucht. Nicht „die Sache und der Rath der Menschen", sondern „die Sache und der Rath Gottes" hat Bestand. Vgl. Spr. Sal. 19, 21.