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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 23

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 23 ihnen erduldeten Bedrückungen gutgeheißen hätte? Man darf sich auf Vermuthungen in dieser Beziehung nicht einlassen. Doch ist zu beachten, daß Mendelssohn, wenn er auch nach der allgemein herrschenden Weise die Zugehörigkeit zu einer Religion scheinbar einzig und allein von der Übereinstimmung mit ihren Hauptlehren abhängig machte, doch eigentlich noch aus ganz anderen Beweggründen im Judenthume wurzelte. Bon den Einseitigkeiten der sogenannten Aufklärung entfernt, faßte er die positiven Gestaltungen der Religionen viel liefer auf, als gewöhnlich geschah, ohne jedoch zum deutlichen und vollen Ausdrucke seiner Anschauung zu gelangen. Nach seinem zartfühlenden Sinne mußte ihm ein Relizionswechsel immer bedenklich erscheinen. Jede Religionsgemeinschaft ist von den zartesten und tiefsten Gefühlen umhegt, die der Außenstehende nicht theilen kann, welche aber zu verletzen er sich sorgfältig hüten muß. Die Bedeutung der von einer Religionsgemeinschaft mit innigster Pietät umfaßten und verehrten Heiligthümer kann außerhalb dieser Gemeinschaft nicht vollkommen verstanden und gewürdigt werden. Wie die Verehrung gegen Vater und Mutter, mit der das religiöse Gefühl wesentlich zusammenhängt, wie die Anhänglichkeit an das eigene Volk, wie das uns aus der Ferne nach dem heimatlichen Boden hinziehende Verlangen und die zu Thaten der Aufopferung begeisternde Vaterlandsliebe nur innerhalb des engern Kreises empfunden werden, von dem Fremden aber, obwohl sie ihm die höchste Achtung einflößen, nicht getheilt werden können und nicht getheilt zu werden brauchen: so kann und soll auch die ererbte Religion mit ihren geschichtlichen Erinnerungen und den auf das Göttliche hinweisenden eigenthümlichen Zeichen ihres Kultus nur auf ihre Angehörigen wirken. Wie daher einerseits jede von außen kommende Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer Religion als Verletzung empfunden wird, so ist es andrerseits gewiß auch verwerflich, in eine Religion einzutreten, ohne die von ihr geheiligten Gefühle und Erinnerungen zu theilen. Mendelssohn hätte es als Entweihung des Christenthums betrachten müssen, wenn er zu demselben übergetreten wäre, obgleich er als geborener Jude dessen Überlieferungen und andächtige Gebräuche nicht mit voller Innigkeit und Wahrhaftigkeit auffassen konnte. Lessing deutet das richtige Verhältniß der Religionen und Nationalitäten zu einander mit dem so oft wiederholten Worte an, das er Saladin sagen läßt: „Ich habe nie verlangt, daß allen Bäumen eine Rinde wachse", wobei der Ausdruck „wachsen", absichtlich gewählt ist. Die Religionsverschiedenheiten sind das Ergebnlß geschichtlicher Entwicklung, wie sie durch die Natur des menschlichen Geistes bedingt und durch göttliche Führung hervorgetreten ist. Wie in den Volksindividualitäten und Staaten und größtenteils im Zusammenhange mit ihnen, sind auch in den Religionen verschiedene und innige Lebensgemeinschaften entstanden, in denen sich eine und dieselbe Wahrheit in mannigfacher Weise abspiegelt, die zusammen die allgemeine Religion darstellen. ^) Der von Mendelssohn mit Vorliebe gebrauchte 5) Lesstng bemerkte, daß die Fassung der Parabel von den drei Ringen ihm die größte Schwierigkeit bereitet habe (Brief an Ramler v. 1. Febr. 1779). Er

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