Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Moses Mendelssohn und das Judenthum
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Judeuthum. Haltung und innern Vervollkommnung, und diese nach außen hin durchaus bescheidene Aufgabe ist an und für sich groß und schwierig genug. Dieses war auch die Auffassung Mendelssohns in seinem „Jerusalem", wie sie sich aus seinen Grundgedanken über die Religion im allgemeinen und insbesondere über das Judenthum und dessen Gesetz nothwendig ergab, und schon in seiner Antwort an Lavater hat er sie mit aller Bestimmtheit ausgesprochen und besonders auch den vorerwähnten Grundsatz des Judenthums hervorgehoben. ^) Mendelssohn verhielt sich ablehnend und abwehrend gegen die Aufforderung, die dogmatischen Lehren des Christenthums zu widerlegen oder anzuerkennen. Hätte er ihnen aber auch zustimmen müssen, so würde es sich für ihn doch noch um die größten Bedenken gehandelt haben, ehe er sich zum Religionswechsel, das heißt zur Wahl einer anderen Religion entschlossen hätte, statt in der seinigen zu beharren, sich alles Gute, was sie ihn lehrt, anzueignen und nach Kräften zu ihrer Läuterung beizutragen. Er erklärte: „Ich werde es nicht leugnen, daß ich bei meiner Religion menschliche Zusätze und Mißbräuche wahrgenommen, die leider! ihren Glanz nur zu sehr verdunkeln. Welcher Freund der Wahrheit kann sich rühmen, seine Religion von schädlichen Menschensatzungen frei gefunden zu haben? Wir erkennen ihn alle, diesen vergiftenden Hauch der Heuchelei und des Aberglaubens, so viel unserer sind, die wir die Wahrheit suchen, und wünschen, ihn ohne Nachtheil des Wahren und Guten abwischen zu können. Allein von dem Wesentlichen meiner Religion bin ich so fest, so unwiderleglich versichert, als Sie, oder Herr Bonnet nur immer von der Ihrigen sein können, und ich bezeuge hiermit vor dem Gott der Wahrheit, Ihrem und meinem Erschöpfer und Erhalter, bei dem Sie mich in Ihrer Zuschrift beschworen haben, daß ich bei meinen Grundsätzen bleiben werde, so lange meine ganze Seele nicht eine andere Natur annimmt." Auch die zu seiner Zeit mehrfach versuchte rationalistische Erklärung der christlichen Dogmen ^) konnte ihn nicht zum Übertritte bewegen, und als von dieser Seite eine ähnliche Aufforderung, wie die Lavaters an ihn gerichtet wurde, widerstand er mit gleicher Festigkeit und sprach seine Ansicht dahin aus, daß die Erkenntniß der höchsten Religionswahrheiten der allgemeinen menschlichen Vernunft anheimgegeben sei, der unterscheidende Inhalt der positiven Religionen aber ihr charakteristisches Eigenthum bilde. Um die Unerschütterlichkeit seiner Überzeugung, mit der er im Judenthum stand, zu beweisen, erklärte er ausdrücklich, daß er, sobald er die Religion seiner Väter nicht für die wahre erkannte, sie auch hätte verlassen, und dieses nothwendig durch eine öffentliche Handlung hätte bekunden müssen. Ob er aber sich je zu einem derartigen Schritte entschlossen hätte? Ob er nicht eine öffentliche Kundgebung vermieden hätte, weil er damit seine Stammes- und Glaubensgenossen gewissermaßen angeklagt und die von Schr. III, 42 ff. Die Stelle ist in jeder Beziehung lesenswert!). Vgl. auch die Äußerung des Maimonides in Betreff der Kaaba (Hebr. Briefe d. Maimonides u. A., S. 44 d. Amsterd. Ausg.). 2) Mendelssohn mißbilligte bekanntlich, daß Lessing derartige Erklärungen als Halbheit bekämpfte.