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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 21

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 21 endgültigen Fassung entbehrenden Entwürfe vor. ') Auf ausdrückliches Verlangen des Erbprinzen von Braunschweig jedoch sprach er sich gegen ihn in einem vertraulichen Briefe, zwar nicht ohne Zagen, aber mit aller Bestimmtheit über die Hauptpunkte aus, die ihm die Annahme der christlichen Glaubenssätze unmöglich machten. „Wenn ich diese Lehren", bemerkte er, „im A. T. fände, so würde ich auch das A. T. verwerfen müssen." Leibniz hat bekanntlich mit großem Eifer die Vereinigung der christlichen Confessionen erstrebt. Die Erreichung dieses Zieles war nicht möglich. Wohl aber darf man hoffen, daß der Fortschritt der Zeit, besonders auch durch die von Leibniz und anderen Denkern verbreiteten Ideen einst zur völligen Aussöhnung und gegenseitigen Anerkennung aller auf dem höhern Gottesgedanken beruhenden Religionen führen werde. Die weltbewegende Frage der Religionsverschiedenheiten fordert ihre grundsätzliche Lösung im Namen der Religion selbst, ebenso wie die Nationalitätsfragen, die im Staatsleben so verderbliche Kämpfe hervorrufen, im Interesse der Staaten. Sind auch Religionskriege in der civilisirten Welt nicht mehr zu befürchten, so besteht doch ein geistiger Kampf der Religionen und Confessionen gegen einander, der sich im besten Falle in wohlgemeinten Bekehrungsversuchen äußert. Man darf es dem Judenthum zur Ehre anrechnen, daß in ihm schon von alter Zeit her der Grundsatz gilt: „Die Frommen aller Religionen gelangen zur ewigen Seligkeit." Jede Religion, in der die Sehnsucht des Menschen nach dem Ewigen und Heiligen ihre Befriedigung sucht, ist ein gottgeweihtes Heiligthum, das die Achtung aller derjenigen in Anspruch nimmt, die selbst von lebendigen religiösen Gefühlen erfüllt sind. Das erkennt auch der einfache Sinn des Volkes, solange es nicht durch Fanatismus verwirrt und aufgeregt wird; es betrachtet die Religionsverschiedenheiten als gegebene Thatsachen und ehrt die Frömmigkeit, in welcher Form sie sich auch äußern möge. Feinden die Religionen einander an, statt in wahrer Frömmigkeit und in der Übung des Guten mit einander zu wetteifern, so ist dieses eine Entweihung der Religion in ihrem innersten Wesen. Das sind alte, allgemein bekannte, aber oft genug vergessene Wahrheiten. Mendelssohn und Andere haben mit allem Nachdrucke darauf hingewiesen, daß das Judenthum weit davon entfernt ist, Proselyten machen zu wollen. Es führt leicht zu Mißverständnissen, wenn neuere jüdische Theologen von einer „Mission" des Judenthums reden. Der Beruf des Judenthums und der Juden, ohne welche die Bibel ein todtes Buch wäre, besteht, wie ihre Geschichte zeigt, nicht in der größern Ausbreitung, sondern in ihrer Er- ') Schr. III, 135—176. S. das. S. 129 den Eingang des Briefs an den Erbprinzen von Braunschweig, sowie den Schluß des Briefs an einen jüdischen Freund, bei Kayserling, S. 498. Ich bezweifle nicht, daß hier, wie schon Kays. S. 378 vermuthet, mit der „Handschrift über die christliche Religion", die damals (1771) noch „unordentlich und unzusammenhängend" war und welche „niemals aus seinen Händen zu geben", M. den Vorsatz gefaßt hatte, eben die „Betrachtungen" über die Schrift Bonnets gemeint sind.

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