Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in den schwäbischen Reichsstätten
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 4)
- Language
- German
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Miszelle bopes gespot solten han, 110 gld. (!) an sant Antonyen tag anno domini 1418*'' (Fürstl. Hohenlohesches Haus-Archiv in Oehringen, E 58). Betreffs der Bullensteuer desselben Jahres stellt Dicker in Frage, ob die Juden der schwäbischen Städte tatsächlich die am 6. März mit Konrad von Weinsberg vereinbarten 600 Gld. bezahlt haben. Sie haben schließlich sogar noch mehr bezahlen müssen. Peter von Dieburg, der Sekretär Konr^ds, notiert 1418 als Einnahme allein von den Juden in Ulm, Augsburg und Eßlingen 600 minus 31/2 Gld. (Oehringen a.a.O.). Am 29. August 1418 erklärte die Ulmer Judenschaft, daß Konrad von Weinsberg, als er mit anderen schwäbischen Judenschaften in Ulm war, „mit uns gered und geteidingt had von des bullengelcz wegen und sust nit, weder von guldin, drietten, zehenden pfennigs noch sust von keinerley ander sache wegen, daz nemen wir uff unsern Jüdischen eyd" (Oehringen a. a. O., E 55). Dasselbe bekundeten auch am 1. September der Augsburger Rabbiner Jacob (Jacob Weil) und seine Judenschaft mit dem Hinzufügen „darumb er uns yetzund verschriben und gebeten hat, im dasselbe zu bechennen durch unsern offene briefe" (ebenda). Über Steuereinnahmen Konrads 1421 in Ulm erfahren wir bei Dicker nichts, da das Oehringer Material noch nicht veröffentlicht ist. Am 4. Oktober bevollmächtigte König Sigmund Konrad von Weinsberg, alle dem Reich zustehenden Abgaben der Juden in deutschen und wälschen Landen, soweit sie nicht verpfändet waren, einzuziehen (Altmann Reg. 4635, Bekanntmachung 4637). Bald darauf, am 31. Oktober, traten Henßlin Recke und der Jude Vyffelin (Fyvellin von Giengen, auch Fyvelmann genannt, der schon 1418 als Steuerbote tätig war) ihre Reise an, um im Auftrage Konrads „den dryten, den zchenden und den guidein pfenige, die halben Judensture, büß und feile von der Judischeit" im Süden und Westen des Reichs einzufordern (Oehringen a.a.O., E 57a). Über Schwaben heißt es im Bericht: „Item zu Swaben git iglicher Jude, der über sin 13 jar ist, ein gld. Item zu Swaben geben alle die Juden, die in den richstedten siezen, stüwer, da ist den von Otingen verschriben Nordlingen, Dinckelspuhel." Die auf Ulm bezügliche Eintragung, die auch Zahlungen des Jahres 1419 erwähnt, lautet: „Item Yselin der Jude zu Ulme had ein brief gehabt, den mir sin wip gezeugt had, wie das er sich mit Luczzen Tannern, Leo Colner dem Juden umb den zehenden pfenig gericht had dru gancz jar, die nehsten noch einander, und das datum wist uß uff den dunderstag noch sant Anthoning tag 1419 (19. Januar). Item Gutlin sin hußfr[aw] spricht, daz sie nit wiße, das sie yhcz schuldig sy zu geben bis uff dis zit dann den guidein opferpennig, und zucht sich des auch zu Vifelin dem Juden. Item Lemlin der Jude zu Ulme had mir zwen briefe gezeugt von in und Jacob sinem dochterman, die wisen uß von des zehenden pfenigs wegen uff das datum, als obgeschriben stet an Yserlins (!) brief, und den guldin opferpfenig had er burggraffe Johansen vor gericht bis uff dis zeit, wieß Vifelin der Jude wol. Item Vifelin von Byberach had auch ein brief, wist uß, als obgeschriben stet, uff dies datum. Item Vifelin daselbst ist für ein büß fellig, als mir Vifelin gesagt had, der mit mir geriten ist. Item die von Ottingen haben die halbe Judensture zu Ulme ingenommen uff dies jar anno 1421. Item die vorgeschriben Juden haben geben zu dem guidein operpenige 26 gld. Item Liepman der Jude zu Ulme wolt mir nichzen geben und der spricht, er sy nit burger zu Ulme; da had mir der Judenschullekloppffer gesagt, es sy nit wäre, ist uff zwey jar schuldig den opferpfenig für sich, sin wip; item darnach had er sich bedacht und had mir 6 gld. geben." Über den jüdischen Steuereinnehmer Leo Colner siehe Szulwas, S. 58 ff. Lemlin ist oben zum Jahre 1403 erwähnt. Er schuldete von Ostern 1421 her 5 Gld., die er nunmehr im November an Genßlin Recke zahlte. Burggraf Johann ist Johann III. von Nürnberg, der Vorgänger Konrads in der Einkassierung. Yselin aus Lindau und Lemhns Schwiegersohn sind seit 1417 bzw. 1412 in Ulm ansässig. Vifelin von Biberach begegnet uns noch 1427 im Ulmer Steuerregister. Ein anderer ist der gleich hinterher genannte „Vifelin daselbst", vielleicht der Sohn Jäcklins. Der Judenschulklopfer ist der im Steuerregister 1427 genannte Schulrufer Yosepp von München, der 1420 in Ulm aufgenommen wurde. Zur Abwendung einer Judenschuldentilgung beauftragte König Sigmund 1431 seinen Rat Klaus von Redwitz, mit den Juden des Reichs eine Abfindungssumme zu vereinbaren (Altmann 8573). Über das Resultat sind einige Urkunden bei Altmann notiert. Mehr findet sich bei Kracauer, Geschichte der Juden in 246