Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 4 · p. Seite 245

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte der Juden in den schwäbischen Reichsstätten
Date
1937-01-01
Page
Seite 245 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2259275-2259308-2259312-2262942--5097-2263026
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Miszelle Ulmcr Judenvertreibung des Jahres 1380 in Zusammenhang. Für Zunz' Angabe fehlt jedoch jeder geschichtliche Beleg. Das von Dicker herangezogene Klagelied des Erfurter Sußlin stammt nicht aus dem Jahre 1380, bezieht sich auch nicht auf Judenmetzeleien jener Zeit. Weder in Basel noch in Überlingen, Ulm, Eßlingen oder Augsburg (S. 89, Anm. 39 nach dem Klagelied) wurden damals Juden ermordet, nur in Schwabach, Freistadt und Nördlingen geschah dies 1384. Die chronologische Fixierung Dickers ist falsch. Sußlin beklagt die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes (vgl. Salfeld, Martyrologium SS. 244, 308). Unter den Söhnen Jäcklins nennt Dicker S. 27 einen Lemlin, das beruht auf einem Schreibfehler für Mennlin, der in Straßburg zuerst 1377 erscheint. Die Urkunde 1378 Okt. 1 (die vom 13. November ist durch Druckfehler vom 3. November datiert) führt außer Mennlin und Viflin noch einen Sohn Leow an, von dem Dicker sagt, daß von ihm nichts weiter bekannt ist. Müller teilt jedoch (in Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, 1898, S. 2S Anm. 2) mit, daß die beiden Grafen von öttingen und ihr Bruder, der Bischof von Eichstätt 1387 bei Feifelin in Nürnberg und seinen Brüdern Mennel und Low in Straßburg eine Anleihe von 4740 Gld. machten. Bei der Schuldentilgung 1385 einigten sich in Nürnberg Jäckel und seine beiden Söhne mit dem Nürnberger Rat auf 15 000, der Schwiegersohn Ysak auf 1000 Gld. (Stern, Israelitische Bevölkerung III, 253). Aus der Schuldentilgung 1390 wurden die Nürnberger Außenstände der Familie erst viel später geregelt. Am 5. Februar 1403 erklärten in Ulm nach dem Tode Jäcklins dessen Schwiegertochter Hennlin, die Frau des Vyflin (Feifelein), und Jäcklins Sohn Ysak, daß sie mit dem Nürnberger Rat sich einigten, „von aller der schuld und gült wegen, die alle ir bürger uns und dem obgenanten Vyfelin biz uff dis zit je schuldig gewese sind oder gelten solten, es ist gewesen mit brieffen oder ane brieff, also daz si uns der aller gar und genclich gewert und bezalt hand" (Staatsarchiv Nürnberg S. VI 104/1 Bd. 4 Nr. 54). Die Urkunde ist außer von Jizchak b. Jacob und seiner Frau Chanlin, Tochter des Jizchak ha-Cohen, noch von den Ulmer Juden Abraham b. Eleasar und Esriel b. Menachem hebräisch unterschrieben. Abraham heißt im Text „Abraham, Lazarus sun von Gemünde", er ist derselbe, der die Urk. 1378 Okt. 1 mitunterzeichnete (dort ohne Ortsbezeichnung). Esriel wird 1403 im Text „Lemblin, Juden Mennlins sun" genannt; er wurde mit seinem Vater Mändlein von Schelklingen 1400 in Ulm aufgenommen, in der Steuerliste 1427 (bei Nübling S. 460, im Quellenverzeichnis S. VI ist 1497 Druckfehler für 1427) ist er der höchstbesteuerte mit 5 Gld. jährlich; 1438 galt er als der „reichste" Ulmer Jude. Zu der von König Sigmund 1414 geforderten Konzilssteuer leisteten die Ulmer Juden 933 Gld. 8 Schilling (S. 44). Am 11. September versprach der Ulmer Rat, den genannten Betrag, den Ritter Hirt von Saulheim und Marschall Haupt von Pappenheim „geteidingt" hätten, nach Konstanz oder in Ulm auf Martini zu bezahlen (Stadtarchiv Augsburg, Missivbuch 1 b Nr. 325). „Eine bedeutendere Kapitalkraft" der Ulmer Juden kann ich mit Dicker, S. 96, Anm. 52, darin nicht erkennen, es handelte sich ja um ein Drittel ihres Vermögens! Gegenüber anderen Städten, in denen die Juden runde Summen zahlten, liegt in Ulm eine genaue Abschätzung auf Heller und Pfennig vor. Der Begriff „Teiding" ist in Ulm 1414 allgemeiner Art. Das Versprechen des Ulmer Rats stimmt mutatis mutandis wörtlich mit einem gleichen des Augsburger Rats vom 26. September (Missivbuch Nr. 324) überein, auf Martini 28 000 Gld. für die Juden zu zahlen. Was Dicker S. 44 zum Jahre 1418 über eine „außerordentliche Steuer" oder „Sondersteuer" (S. 96, Anm. 57) der Ulmer Juden in Höhe von 100 Gld. berichtet, welchen Betrag die Stadt von den bei ihr gefangenen Juden eingenommen hatte, läßt sich richtigstellen. Schon Pressel S. 13 stellt fest, daß der Vorgang „nicht völlig klar" sei. Dicker sucht nachzuweisen, daß es nicht Ulmer Juden, sondern auswärtige waren, die auf der Durchreise durch Ulm von dem Rate der Stadt auf Geheiß Konrads von Weinsberg gefangen genommen wurden. Das war nicht der Fall. Es waren wirklich Ulmer Juden, die unter der Anklage, den Papst verspottet zu haben, ins Gefängnis kamen und Bußgeld zahlten. Konrad erzählt hierüber selber zum 17. Januar 1418: „Item so ist mir worden von dr}ren Juden zu Ulm und einem Juden von Jungen (!), als sie dez 245

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.