Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Zeitschrift "Sulamith"
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Stein. Die Zettschrift „Sulamith" 21, 19), daß sie den Verräter Scheba ben Bichri an Joab auslieferte und so ihrer belagerten Stadt den Frieden sicherte. Wolf gibt, als er das Titelbild erklärt (I, 1, 160 ff.), dieser Frau den Namen Sulamith (Hohes Lied 7, 1). Ihre Worte: ich bin eine Friedliebende, Getreue in Israel, sollen auch Motto der neuen deutschen Sulamith sein. Sie will den Feind innerhalb der eigenen Nation, „Aberglauben und Religionsentstellung, entwaffnen, damit endlich der Baum des Friedens aus dem Volk selbst hervorblühe, dessen Früchte heilbringend für die ganze Welt sein werden". Jeder Jahrgang der neuen Zeitschrift bestand aus zwei Bänden, jeder Band aus sechs Heften. 1810 kam der erste Band des III. Jahrgangs vorübergehend in Kassel heraus, weil Fränkel vom Präsidenten des jüdischen Konsistoriums in Westfalen4), Israel Jacobson, dorthin als Konsistorialrat berufen war und von dort aus die Zeitschrift redigieren mußte. Alle weiteren Bände bis zum Jahre 1848 erschienen dann wieder in Dessau. In der Zeit der Freiheitskriege wurde die regelmäßige Folge zum ersten Male unterbrochen, von 1816 ab umfaßt ein Jahrgang immer zwei bis vier, später in den 20er, 30er und 40er Jahren sogar sieben bis acht Jahre. Mit dem ersten Jahrgang der neuen Folge (1848) stellt die Sulamith ihr Erscheinen ein, nachdem sie ihre geschichtliche Aufgabe als „Sprechsaal der Israeliten" und als ein „Repititorium des Edlen und Guten unter unseren Glaubensgenossen" erfüllt hat5). Was wollte die neue Zeitschrift? Der Mitherausgeber Joseph Wolf hat einen einleitenden Aufsatz über ihren Inhalt und ihren Zweck geschrieben. Er ist sehr allgemein gehalten, aber dennoch lassen sich aus ihm schon nähere Umrisse über die Ziele erkennen. „Sulamith will Ehrerbietung gegen die Religion, d. h. gegen die Wahrheiten, die des Namens Religion allein würdig sind, bei der Nation erwecken und das dringende Bedürfnis, religiöse Empfindungen und Vorstellungen zu fühlen, von neuem beleben." Sie hat zugleich eine apologetische Tendenz; sie will „zeigen, daß die Begriffe und Sätze der jüdischen Religion, solange sie keine abergläubischen Zusätze enthalten, weder dem einzelnen Menschen noch der bürgerlichen Gesellschaft im mindesten schädlich sind". Sie will zur Verbreitung nützlicher Wahrheiten und zur Aufklärung der Begriffe über Natur, Kunst und gesellschaftliche Verhältnisse des Menschen beitragen und dabei eine angenehme, geschmackvolle und leicht verständliche Unterhaltung bieten6). Für die gebildeten Leser sollen auch zuweilen hebräische Gedichte und Abhandlungen abgedruckt werden. „Der Geist der Sanftmut und der heiligen Achtung für Menschenwohl beleben diese Zeitschrift." „Daher können auch Streit- , Schriften nur, insofern dieselben auf Entwicklung nützücher Wahrheiten oder auf die Darstellung mißkannter Charaktere abzwecken, eine Aufnahme finden. Still und friedlich wird ,Sulamith< ihr Werk beginnen und stets ihrem Zweck getreu bleiben, dem einzigen Zweck: Entwicklung der intensiven Bildungsfähigkeit der Juden." Zur Mitarbeit am neuen Werk fordert Fränkel alle, auch christliche7) „edeldenkende Gelehrte und Menschenfreunde" auf. Er wirbt 4) Vgl. F. Lazarus, Das Kgl. Westfälische Konsistorium der Israeliten (MGWJ, 1914). 5) Im 9. Jahrg. war schon der Titel der Zeitschrift um den Zusatz .,zur Beförderung der Kultur usw." gekürzt worden. Das Ziel der Zeitschrift war, nur zu gründlich, erreicht. 6) Der 3. Jahrg. hat sogar eine Musikbeilage. 7) Tatsächlich haben auch mehrere christliche Autoren, u. a. Dr. Richter, Lehrer an der Fränkel'schen Schule und späterer Rektor der Herzoglichen Hauptschule, Prof. Du Toit, Dessauer Bibliothekar, der berühmte Pädagoge Prof. Niemeyer und die Geistlichen C. W. Spieker, Augustin und Fulda Beiträge zur Sulamith geliefert. 194