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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 4 · p. Seite 193

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 4
Article
Die Zeitschrift "Sulamith"
Date
1937-01-01
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
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Die Zeitschrift „Sulamith" Von Siegfried Stein Im Juni 1806 gaben David Frankel (1779—1865) und Joseph Wolf (1762—1826)1) in Dessau zum ersten Male eine Zeitschrift für Juden in deutscher Sprache heraus. Die Dessauer Gemeinde war damals von großer Bedeutung. Sie war — wenn auch nur für eine geringe, aber doch mehr und mehr maßgeblich werdende Schicht der Juden in Deutschland — als Geburtsstadt Mendelssohns „Mutter in Israel" geworden. Hier war es schon 1799 durch den regen Einsatz der jungen jüdischen Generation und die freundliche Haltung der anhaltischen Regierung möglich geworden, unter Leitung eben von David Fränkel eine jüdische Freischule2), die spätere Herzogliche Franz-Schule zu gründen, in der zunächst Deutsch, Rechnen und Französisch gelehrt wurde, und in der Joseph Wolf den Unterricht in deutscher Sprachlehre und Lesen erteilte. Auf Veranlassung des Anhalt-Dessauischen Fürsten Leopold Friedrich Franz war in Dessau schon 1774 das Philanthropin gegründet und unter die Direktion Basedows gestellt worden3). Es ist nur natürlich, daß die sich an Rousseau anschließenden Reformen der großen Pädagogen Campe und Salzmann, die hier ihre neuen Gedanken über Erziehung, wenn auch durchaus nicht immer mit Erfolg, verwirklichten, auf die Dessauer Juden einen starken Einfluß ausübten. Sie wurden von den neuen Ideen ergriffen und suchten, ihnen im eigenen Kreis Nachfolge zu schaffen und zu sichern. Auch durch die günstige geographische Lage nahm Dessau einen bedeutenden Platz innerhalb der jüdischen Gemeinden in Deutschland ein. Mit dem nahen Berlin verbanden es zahlreiche geistige, wirtschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen. Und die noch größere Nähe zu Leipzig, wohin Juden aus aller Herren Länder zur Messe kamen — nicht ohne vielfach auf dem Hin- oder Rückweg Dessau zu passieren — ließ das Licht einer großen Welt in die Dessauer Judengassen einströmen. In diesem aufstrebenden Dessau des beginnenden 19. Jahrhunderts erschien die neue Zeitschrift. Sie erhielt den Namen Sulamith und den programmatischen Zusatz: „Eine Zeitschrift zur Beförderung der Kultur und Humanität unter der jüdischen Nation." Schon 1810 wurden aus begreiflichen, noch zu erörternden Gründen aus der jüdischen Nation harmlosere „Israeliten". Eine Titelvignette, wie sie auf den moralischen Wochenschriften seit dem 18. Jahrhundert üblich war, zeigt eine Festung, auf deren Turm eine Frau mit erhobenem Arm zu den die Stadt belagernden Soldaten spricht. Das Bild bezieht sich auf jene in der Bibel ungenannte Frau, von der erzählt wird (II. Sam. ') Über Fränkel vgl. Ph. Philippson, Biographische Skizzen, Leipzig 1869, und L. Horwitz, Geschichte der Herzogl. Franz-Schule in Dessau, Dessau 1894; Zusammenfassendes über Fränkel am Schluß der Arbeit. Über Wolf, der schon nach einem Jahr wegen Überlastung aus der Redaktion ausschied, s. Ph. Philippson, das S. 131 ff. 2) Vorher waren im letzten Viertel des 18. Jahrh. nur in Berlin, Breslau und Halberstadt, innerhalb der Habsburgischen Monarchie in Prag und Triest Schulen gegründet worden. 3) Das Philanthropin wollte sogar jüdische Schüler aufnehmen. Die Judan machten aber hiervon keinen Gebrauch. Vgl. die Korrespondenz zwischen Campe und Mendelssohn in dieser Frage und Horwitz a. a. O., S. 6. 13 193

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