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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 187

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Die Münchener Judenbeschreibung von 1804
Date
1937-01-01
Page
Seite 187 (sequence 8)
Language
German
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Werner Cahnmann. Die Münchener Judenbeschreibung von 1804 personal nur noch 4 christliche Mägde verzeichnet. Es ist zu vermuten, daß sich unter den Bedienten allerhand weibliche Verwandte befinden, denen auf diese Weise der Aufenthalt in München ermöglicht werden sollte. Diese Annahme erhält eine weitere Stütze dadurch, daß im Jahre 1805 gerade aus der Kategorie der weiblichen Bedienten eine überdurchschnittlich hohe Prozentzahl ausgewiesen wurde. Die Bedienten der im Hauptregister nicht aufgeführten Familien sind nicht mitgezählt, da sich bei dieser Gruppe jüdische und christliche Bediente nicht mit Sicherheit auseinanderhalten lassen. Diese Gruppe von nicht unter einer besonderen Nummer verzeichneten jüdischen Personen ist in einer „Anmerkung" zur „Judenbeschreibung" zusammengefaßt. Es handelt sich um die Familien Seeligmann sen., Seeligmann jun., Pappenheimer, Westheimer, Strassburger, Elkan, Davidsohn, Bommeisler und Lorch. Unter diesen kann die Familie des kurfürstlichen Hofbankiers Aron Elias Seeligmann, der später katholisch konvertierte und den Titel eines Freiherrn von Eichthal annahm, besonderes Interesse beanspruchen. Bei ihm sind 1 Kutscher, 1 Bedienter, 1 Bediente, 1 Koch, 1 Portier, 1 Hausknecht, 1 Stallknecht und 2 Mägde angestellt, von denen einige wiederum verheiratet sind und insgesamt 9 Kinder bei sich wohnen haben. Außerdem befinden sich laut eigener Angabe des Aron Elias Seeligmann in seinem Haus Kreuzviertel 149 sein Sohn Arnold Seeligmann mit 1 Erzieherin, 1 Hofmeister, 1 Bedienten, 5 Mägden, abgesehen von seiner eigenen Frau und 3 Kindern, sowie sein Schwiegersohn H. S. Pappenheimer, ebenfalls mit Frau und 3 Kindern und mit 3 Mägden und 1 Bedienten. Man sieht, daß das Haus des Hofbankiers einen kleinen Hofstaat für sich bildete! Aber auch der Lederfabrikant N. L. Bommeisler beherbergt außer seiner Frau und 6 Kindern 1 Informator (= Instruktor), 1 Bedienten, 1 Reisenden, 1 Köchin, 1 Hausmagd und 1 Stubenmädchen. HI. Die Münchener Judenbeschreibung von 1804 scheint eine administrative Vorarbeit für das Münchener Judenregulativ von 180 5 gewesen zu sein, und darin liegt ihre besondere Bedeutung. Das „Regulativ über die Münchener Judenschaft" wurde am 17. Juni 1805 erlassen13) und stellt als erster positiver Versuch einer Eingliederung der Juden in das bürgerliche Leben der Haupt- und Residenzstadt eine Vorstufe zu der im Jahre 1815 erfolgten Konstituierung der Israelitischen Kultusgemeinde dar. Aber auch die Judenmatrikel aus dem Judenedikt von 1813 nimmt das Regulativ von 1805 bereits vorweg: die Anzahl der jüdischen Familien wurde auf die Anzahl der zugelassenen Matrikelnummern beschränkt. Daher kommt es, daß unmittelbar nach dem Erlaß des Regulativs, unter dem Datum des 30. August 1805, nicht nur ein „Verzeichnis derjenigen Juden, so gemäß Churf. Landes Direktions Befehlen der hiesige Aufenthalt bewilligt worden", sondern auch ein „Verzeichnis derjenigen Juden, so gemäß Churf. Landes Direkt. Befehlen sich von hier zu entfernen haben" aufgestellt worden ist. Aus diesen beiden Verzeichnissen, die allerdings in dem Exemplar, das sich im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde befindet, reichlich fehlerhaft abgeschrieben sind, geht hervor, daß die Zahl derjenigen Juden, welchen der endgültige Aufenthalt in München erlaubt wurde, wesentlich geringer ist, als die Zahl der jüdischen Personen, die sich im Jahre 1804 in der Landeshauptstadt aufgehalten hatten. Von 88 Registrierten aus der Beschrei- 13) Vgl. G. Döllinger, Sammlung der im Kgr. Bayern bestehenden Verordnungen, VI., 1838, S. 14. 187

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