Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Münchener Judenbeschreibung von 1804
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 9)
- Language
- German
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Werner Cahnmann. Die Münchener Judenbeschreibung von 1804 bung von 1804 sind nur 56 Personen endgültig aufgenommen worden, 34 wurden abgewiesen. Unter den Abgewiesenen befand sich zunächst auch der Rabbiner Ezechiel Samuel (= Jecheskel Hessel) aus Sulzbürg; es bestand damals für die Münchener Judenschaft noch kein Recht auf öffentliche Religionsübung. Lediglich Privatandacht war gestattet14). Die Bildung einer Gemeinde erfolgte erst aufgrund allerhöchsten Reskripts vom 10. Juni 1813 über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Kgr. Bayern15). Zu den erwähnten 56 Personen kommen noch 2 Aufgenommene, die im Register als „Befreundte und Gäste" bezeichnet sind, und 3 Aufgenommene, die sich im Register überhaupt nicht vorfinden, sowie ein ebenfalls nicht registrierter Sohn. Außerdem kommen dazu 8 Familienvorstände, die in der Judenbeschreibung von 1804 in der „Anmerkung" stehen; dort betrug ihre Zahl allerdings 9, was daher kommt, daß H. S. Pappenheimer gesondert gezählt ist. Die Gesamtzahl der Aufgenommenen beträgt demnach 70. Wie sich das Bild der jüdischen Bevölkerung von 1805 einschließlich aller Angehörigen jener 70 Familienvorstände ausnimmt, ergibt die folgende Obersicht. Tabelle IV: Gesamtzähl der aufgenommenen Juden 1805 Männer Frauen Kinder Andere Verwandte Freunde, Gäste Diener Summe Regist. Anm. Regist. Anm. Regist Anm. männl. weibl. männl. weibl. 50 9 41 6 121 14 13 11 12 38 315 Hinter diesen Zahlen verbirgt sich mehr an menschlichem Schicksal, als sie auf den ersten Blick verraten möchten. Die jüdische Bevölkerung Münchens hat durch den erstmaligen Vollzug der Bestimmungen des Judenregulativs von 1805 im Vergleich zu dem Bestand des Jahres 1804 um 98 Personen, d.h. um rund 25 v. H. abgenommen. Das läßt einen Rückschluß darauf zu, in welchem Ausmaß die Matrikelgesetzgebung Bayerns in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Wachstum der jüdischen Einwohnerschaft gehemmt hat. Es bleibt noch übrig, die somit gewonnene endgültige Gesamtzahl der Münchener Judenschaft aus dem Jahr 1805 mit den von Cohen16) mitgeteilten Zahlen der vorhergehenden und der nachfolgenden Judenzählungen zu vergleichen. Es ergibt sich dann, daß sich 1798: 220, 1802: 300, 1805: 315, 1812: 380 und 1814: 451 Juden in München aufgehalten haben. Die aus den Verzeichnissen von 1805 gewonnene Zahl von 315 Personen fügt sich in die Reihe der von Cohen mitgeteilten Zahlen organisch ein und ergänzt durch die Aufgliederung, die wir vorgenommen haben, das in seinen Grundzügen bereits bekannte Bild des langsamen Wachstums der jüdischen Gemeinde in der bayerischen Landeshauptstadt. 14) Vgl. Arthur Cohen a.a.O. S. 268. 15) Vgl. hierzu sowie über die vorhergehende Zeit S. Taussig, Gesch. d. Juden in Bayern, München 1874. iß) Vgl. Arthur Cohen a.a.O., S. 263, 272, 275. 188