Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die Münchener Judenbeschreibung von 1804
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 7)
- Language
- German
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Werner Cahnmann. Die Münchener Judenbeschreibung von 1S04 jedenfalls jahrzehntelang in München wohnhaft waren. So heißt es beispielsweise unter Nr. 9 von Falk Samson Markbreiter, er sei „von Regensburg, 53 Jahre alt, seine verstorbenen Eltern hatten dort den Schutz. Befindet sich seit 40 Jahren hier, war jederzeit der Handlung Compagnion des verstorbenen Hoffaktors Margbreiter. Liefert Bruchsilber auf die Münz und macht Geschäfte mit Wechseln". Unter Nr. 41 heißt es von Henle Salomon Levi, er sei „aus Pappenheim, 70 Jahre alt, seit 46 Jahren hier, hatte ein Patent als Chfstl. Hoffaktor, welches ad. 1709 eingesendet wurde. Handelt mit verschiedenen Kleinigkeiten". Unter Nr. 69 heißt es von Hirsch Liebmann Pappenheimer, er sei „aus Pappenheim, seit 40 Jahren hier, 60 Jahre alt, hatte ein Chf. Hoffaktorspatent, das ad. 1799 zur Chfl. Regierung eingesendet wurde, handelt mit Juwellen, Pferden und macht Geldgeschäfte". Die erwähnten Eintragungen können als ein Beispiel dafür gelten, auf welche Weise die behördliche Aufnahme der jüdischen Aufenthaltsrechte erfolgt ist. Zu den ältesten jüdischen Familien in München gehört die Familie Wertheimer. Auch Cohen12) erwähnt diese bekannte Wiener Familie in seinem Aufsatz. Wolf Wertheimer war 1722 zum erstenmal in Geschäftsbeziehungen zum bayerischen Hof getreten. Sein Sohn Abraham Wolf Wertheimer, der die großen Geldgeschäfte seines Vaters kaum mehr weitergeführt hatte, war im Jahre 1804 schon tot. Im Verzeichnis ist daher unter Nr. 55 seine Witwe Judith Wertheimerin aufgeführt. Sie bezeichnet sich als „des verstorbenen Hoffaktors Abraham Wolf Wertheimers Witwe, 46 Jahre alt. Ihr seliger Mann, dessen Hoffaktorpatent ad. 1799 eingeschickt wurde, befand sich nebst seinem Großvater seit 1730 dahier. Handelt mit Juwelen und treibt Geldgeschäfte und sind Actionairs einer Tobaque Fabrique in Bayern". Diese Angabe widerspricht der Angabe des Verzeichnisses von 1781, das Cohen benützt hat, insofern, als Abraham Wolf damals angegeben hatte, er befinde sich seit 40 Jahren in München. Cohen schloß daraus, daß Wolf Wertheimer seine Familie erst 20 Jahre nach seinem eigenen ersten Auftreten in München, also im Jahre 1742, habe nach München kommen lassen. Seine Witwe gibt nun einen Termin an, der um volle 12 Jahre früher liegt. Die Angabe allerdings, daß sich Abraham Wolf seiner Zeit „nebst seinem Großvater" in München aufgehalten habe, beruht wohl auf einem Schreibfehler. Denn sein Großvater, der Wiener Hoffaktor Samson Wertheimer, war schon im Jahre 1724 in Wien gestorben. Die Gesamtzahl der im Register von 1804 einschließlich Anmerkung verzeichneten jüdischen Personen ergibt sich aus der nachfolgenden Aufstellung. Tabelle III: Gesamtzahl der registrierten Juden 1804 Männer Frauen Kinder AndereVerwandte Bediente Summe Regist- Anm. Regist Anm. Regist. Anm. männl. weibl. männl. weibl. 81 9 61 6 142 14 17 13 15 55 413 Zur Rubrik „Kinder*' ist zu bemerken, daß in 9 Fällen angegeben wird, Frauen und Kinder befänden sich nicht in München. Demnach sind auswärts befindliche Kinder nicht mitgezählt. Unter den männlichen „Bedienten** sind 6 sogenannte kaufmännische „Bediente", 5 Knechte und sonstige Bediente, 4 Instruktoren und Lehrer. Die 55 weiblichen Bedienten sind durchwegs jüdische Mädchen und Frauen, außer ihnen sind im Register als Bedienungs- 12) Vgl Arthur Cohen a.a.O., S. 265ff., sowie Taglicht, Die Nachlasse der Wiener Juden im 17. u. 18. Jahrhundert, Quellen u. Forsch., Bd. 7, Wien 1917, und Mensi, Die Finanzen Österreichs 1701—1740, Wien 1890. 186