Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 17)
- Language
- German
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Meier Spanier. SüBkind von Trimberfe Straße ziehen als alter Jude, in langem grauem Bart, den Hut tief in den Kopf gedrückt. Hier haben wir einmal ein wirkliches Lebensbild von Jammer und Elend, und selbst wenn es nicht eigenes Erlebnis eines jüdischen Verfassers und die Überschrift und Abbildung („ein Jude") unglaubwürdig sein sollten, so ist es doch nicht Schablone, wenn auch die ganze Aufmachung an innerem Pathos verlieren würde"58). Was als wirkliche Begründung in Röethes Ausführungen für die Unechtheit der Gedichte 11 und 12 in Betracht zu ziehen ist, sei im folgenden erwogen. 1. „Ton V ist der letzte der Sammlung, denn Ton VI ist mit II identisch." Also ist doch in Wirklichkeit Ton V nicht der letzte; es folgt noch Spruch 12, dessen Ton wohl wegen der rhythmischen Verschiedenheit in den beiden ersten Versen der Stollen der Zusammensteller eben nicht als Ton II gefühlt hat. Auch hat er keineswegs immer nur nach den Tönen geordnet, sondern auch nach dem Inhalt. Daß er nun die mehr personlichen Strophen und besonders den Abschiedsspruch möglichst ans Ende stellen will, ist doch selbstverständlich. Vielleicht hatte man — ohne den Ton besonders in Betracht zu ziehen — die doch recht durchsichtige Polemik des Wolfspruches zunächst nicht aufnehmen wollen, sich aber dann doch, entschlossen, sie ans Ende zu stellen. Also aus der Anordnung kann man die Unechtheit von 10 und 11 nicht begründen. 2. „Ton V (der also für 10 und 11 gilt) steht in seinem metrischen Charakter den übrigen fern." Genaueres gibt Roethe nicht an. Aber die Reimanordnung der Stollen dieser Sprüche ist doch ganz ähnlich wie in 2 und 12, und der Dreireim im Abgesang der beiden Gedichte ist bei Süßkind sehr häufig. Sprachlich stimmen die für unecht gehaltenen Stücke durchaus mit den übrigen überein. Zugegeben, daß Süßkind sonst die letzte Zeile des Abgesangs an die Stollen bindet. Aber warum sollte er sich stets an dasselbe Schema halten? Auch bei den meisten anderen Spruchdichtern herrscht in dieser Hinsicht Abwechslung und Freiheit. Roethes Gründe sind also nicht ausreichend, um die Unechtheit von 10 und 11 zu erweisen. Es wäre eine Kur nach Doktor Eisenbart, wenn man eines Anstoßes wegen, der, wie wir gesehen haben, unberechtigt ist (in alter Juden Leben), die beiden Gedichte einfach abschneiden wollte. Bartsch und Roethe setzen Süßkind mit den anderen Dichtern, die eine spätere Hand der Sammlung angefügt hat, in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. (Abgeschlossen ist die Sammlung wohl spätestens 1330.) Es ist also nicht unmöglich, daß Süßldnd noch gelebt hat zur Zeit seiner Aufnahme. Jedenfalls war der zeitliche Abstand nicht so groß, daß die guten Kenner und Liebhaber des Sangs, die die Sammlung bewirkten, unechte Stücke gerade diesem Juden, der sicher nicht anstandslos eingeordnet wurde, anfügen sollten. Ich selbst bin der Meinung, daß es keinen Grund gibt, Süßkind später anzusetzen als um die Mitte des Jahrhunderts. Er bewahrt die gute Tradition .in der form seiner Sprüche; die sehr bald einsetzende Entartung und Verwilderung ist in seinen Versen nicht zu spüren. Er wird jedoch vor Reinmar von Zweter (etwa bis 1250) nicht gedichtet haben. Dieser adlige Fahrende scheint, wie meine Hinweise in den Anmerkungen zeigen, auf ihn eingewirkt zu haben, wenn ich auch eine unmittelbare Abhängigkeit nicht behaupten möchte. 12. Ein wolf vil iemerlichen sprach: wa sol ich nu beliben, sid ich dur mines libes nar muos wesen in der ächte? dar zu so bin ich gfeborn, dü schult dü'n ist nicht min. 5S) Ehrismann, S. 296 f. 154