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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 155

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Süßkind von Trimberg
Date
1937-01-01
Page
Seite 155 (sequence 18)
Language
German
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Meier Spanier. Süßkind von Trimberjf Vil manig man hat gut gemach, den man sieht valscheit triben und guot gewinnen offenbar mit sündeklicher trachte; der tuot wirser vil, dann ob ich nem ein genselin. Jo'n hab ich nicht des goldes rot ze gebene umb mine spise, des muos ich rouben uf den Hb durch hungers not. der valsch in siner wise (ist) schedelicher vil dann ich, und wil unschuldig sin. Der Sinn dieser Wolfsklage ist leicht zu durchschauen. Man hat die Juden zum Gelderwerb gezwungen. Andere Berufe werden ihnen erschwert oder ganz verschlossen. Sie sind zum Zinsnehmen so gezwungen, als ob sie nur dazu geboren wären. Aber ist die Oier nach dem Erwerb von Geld und Gut etwa nur bei den Juden zu finden? Die deutschen Volksdichter und Volksprediger sprechen sich über das Wuchern der Christen sehr deutlich aus59), weit deutlicher, als es Süßkind aus naheliegenden Gründen tut Nur wenige Stellen seien hier zitiert. Reinmar von Zweter: Jesus Crist, den e die Juden verkouften, waer er hie niden, ich waene, in die getouften noch verkouften sumeliehe60). Meister Rumelant (Zeitgenosse Süßkinds): getoufter wuocherer, schalk begest vil gröze sünde. Der Eisenacher Stadtschreiber Johann Purgoldt sagt später ganz verständig: „Und darumb so musen sye (die Juden) wuchern, und dit ist ir behelffen; aber dye cristen Wucherer haben kein behelffen, wan es ist ir girheit und ir vorzcwifelt bosheit" Der Vergleich der Wucherer mit Wölfen ist volkstümlich. In seinem Esopus geißelt z.B. Burkhard Waldis die wuchernden Kaüfleute: Sind Wolff, und wöllens doch nit sein, * Schmücken den Wolff mit frommen "Schein!51). Wie sehr Süßkind sich mit solchen und ähnlichen Gedanken beschäftigte, ersieht man auch aus dem zweiten Stollen des 8. Gedichtes. Wie man in die Irre geht, wenn man durchaus alles aus dem jüdischen Schrifttum belegen will, dafür sei nur die seltsame Erklärung dieses Spruches durch A. Lewin angeführt. Er sieht in ihm eine Paraphrase von Ezechiel, Kap. 22, Vers 27 f. „Da mag die Schulscholastik der Jugendschule die Frage gestellt haben: wer ist schlechter, diese Fürsten oder diese Propheten? und der Dichter antwortet: die Wölfe sind dazu prädestiniert, die verlogenen Propheten sind die schlimmsten. Und hierbei mag er gedacht haben an das Wort der Weisen: sie tun wie Simri und wollen Lohn gleich Pinchas!" ») Viele Belege bei Güdemann 1, 133 ff.- III, 187 ff. so) Spruch 134. 61) siehe auch m. Anmerkung zu Murners Narrenbeschwörung, Nr. 67, Mit dem Judenspieß rennen, S. 554 F. 155

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