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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 152

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Süßkind von Trimberg
Date
1937-01-01
Page
Seite 152 (sequence 15)
Language
German
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Ateier Spanier. Süßkind von Trinibers: Truchsess von St Gallen, hat in einer Parodie dieser Verse53) gut seinem Schöpfer danken, daß er in glücklicherer Lage ist Schon der alte Spruchdichter Spervogel klagt, daß er seinen Kindern nichts hinterlassen könne. Am deutlichsten hat später Hadlaub ein Bild häuslichen Dichterelends gegeben54): hussorge tuot so we! Er schildert sehr lebendig, übrigens auch mit Verwendung von Personifikationen der Not, seine Ratlosigkeit den hungernden Kindern gegenüber; besonders fühlt er sich durch das kränkende Verhalten seiner Frau verletzt. Man darf es wohl als einen charakteristischen Zug des in dieser Hinsicht feinfühligen Juden ansehen, daß er die Frau hier nicht nennt Über diese hussorge der Dichter ließe sich durch einen langen Zeitraum bis auf Liliencron mit seinem humorvollen „Auf der Kasse" („Schalt meine Frau mich bis in die Nacht, daß ich so wenig Geld gebracht/') eine sehr umfängliche Gedichtsammlung zusammenstellen. Die Personifikationen und allegorischen Namen treten bei den mittelhochdeutschen Dichtern in reichem Maße auf, bis zur groben Geschmacklosigkeit bei dem Landsmann Süßkinds, dem Bamberger Schulmeister Hugo von Trimberg in seinem Renner. Eine reiche Zusammenstellung bietet Wackernagel55); Daß die allegorischen Bezeichnungen, die Süßkind nennt, wirklich auch als Namen nachweisbar sind (Bigenot, Snabelweide), steigert die humoristische Färbung. Übrigens erscheint es mir zweifelhaft, ob Wahebüf und Nichtenvint schon als Namen gemeint sind. Vielleicht liegt hier — die Einzahl tuot spricht dafür — eine sprichwörtliche Redensart zugrunde. Wander verzeichnet unter Aufheben Nr. 3: Wer aufhebt, der findet, wenn er bedarf. Unter Nr. 5: Wohl aufgehoben, ist leicht gefunden. Fürsts Übertragung: „Wo Ausgabe und nicht Einnahme, da macht mirs viel zu schaffen", ist viel zu frei, vortrefflich (nach der alten Auffassung) hingegen Dr. Bertha Badt: „Herr Wohernimm, Herr Nimmerfind, die tun mir viel zu Leide." 11. Ich var uf der toren vart mit miner künste zware, daz mir die herren niht weint geben, daz ih ir hof wil vliehen, Unt wil mir einen langen bart län wahsen griser hare, ich wil in alter luden leben mich hinnan vür wert ziehen. Min mantel der sol wesen lang, tief under einem hüte, demüteklich sol sin min gang und selten me gesingen hovelichen sang, sid mich die herren scheiden von ir guote. Es gehört zur Heischetechnik der Fahrenden, daß man bei nicht ausreichenden Gaben der kargen Herren erklärte, die Kunst nicht mehr üben zu wollen, wie z. B. Regenbogen ankündigt, daß er wieder zu der Esse Glut zurückkehren will, da er sich als Schmied besser ernähren könnte. Süßkind erwähnt als charakteristisch in dieser Strophe den tief ins Gesicht gerückten Hut (nicht den besonders geformten Judenhut), da die Juden nach «) Bartsch 30, 105 ff. 5*) Bartsch 87, 188 ff. Roethe. «) in Pfeiffers Germania Bd. 5, 200 ff. Vgl. auch Wilmanns Leben Walthers 176. Reinmar 271. 152

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