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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 151

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Süßkind von Trimberg
Date
1937-01-01
Page
Seite 151 (sequence 14)
Language
German
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Meier Spanier. Süßkind von Trimberz Aus der Tendenz dieses Spruches vermeinte Roethe „den Juden zu spüren". Daß der Jude einen aus Urzeiten anerzogenen Sinn für Soziale Gerechtigkeit hat, daß er sich des Armen annimmt, wie er kann, darf man wohl behaupten. Mari braucht nur auf eine kleine Auswahl von Bibelstelleri hinzuweisen48). Auffallend ist nur Roethes seltsame Art der Motivierung für Süßkinds Äußerung. „Mehr noch bedeutet seine nivellierende Tendenz, die den emanzipationslustigen Juden verraten könnte: der Reiche soll den Armen nicht verachten; wer adlig handelt, ist adlig; der Adel taugt nichts, der nicht adlig tut, sonst wird das Adelkleid zum Haderlumpen." Solche Ansichten erscheinen doch wohl zu keiner Zeit tadelnswert, auch nicht von irgendeinem aristokratischen Standpunkt Im übrigen sind es sehr volkstümliche Anschauungen, die. hier Süßkind äußert. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich hat wohl immer dem Denken, besonders der Armen, Anlaß zu Betrachtungen gegeben. Man beachte die überaus zahlreichen Beispiele in Wanders SprichwörterrLexikon. Der Gedanke: der Reiche bedarf der armen Leut' etc.*9), wird oft und in vielen Ländern geäußert. Süßkinds Neigung zu Bildern und Vergleichen zeigt sich deutlich in diesem Spruch. Der Gegensatz zwischen Mehl und Asche findet sich in manchem Volkswort59). Es ist fraglich, ob in dem letzten Satz des Spruches schon die volksetymologische Beziehung zwischen Binden und Bast geführt ist. Es scheint die Anschauung zugrunde zu liegen, daß Bast und Sack aus demselben Material stammen, und Bast dient dem Sack. 10. Wa heb uf und nicht envind, tuot mir vil dicke leide, her bigenot vondarbian der ist mir vil gevere. Des weinent dicke minü kint, bös ist ir snabelweide; er hat si selten sat getan bis uf die fröidenbere. In minem hüs her dünnehabe schaffet mir ungerete; er ist zer weit ein mülich knabe, ir mitten, helfent mir des boesewichtes abe, er swechet mich an spise und ouch an wete! Die Fahrenden, die Nahrung und Kleidung heischen mußten, hatten oft Anlaß, ihren Notstand den begüterten Herren zu klagen, um deren Freigebigkeit (Milde) anzuregen. Auch die wenigen ritterlichen Fahrenden können sich da nicht ausschließen, wenn sie sich auch von der würdelosen Bettelei der späteren Spruchdichter fernhalten. Walther von der Vogelweide, der sich mit seinem getragene wät ich nie genam51) von anderen Genossen unterscheiden will, bittet sehr eindringlich: Von Röme vogt, von Pülle künec, lät iuch erbarmen, daz man mich bi so richer kunst lät alsus armen52). Ulrich von Singenberg, der '**) \\. B. Mos. 25, 35; Ezech. 16, 49; Psalm 37, 21; 41, 2. Sprüche 14, 31; 22, 9; Hiob 31, 16—20. .....• . *9) Wander unter Reicher 34 u. 36. *°) Wander unter Mehl 57, Asche 5 u. 19., P1) Lachmann 63, 3. «) ebda. 28, 1 f. 151

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