Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Meier Spanier. Süßkind von Trimberg 7. Swie vil das mensche zuo der wette guotes habe und es gedenket, wi es scheiden muos dar abe, ze leste mit dem tode, so mag es truren sere. Da vor nit früntt richtuom, geburt von hoher art, wisheit, gewalt — das müsse an des todes vart, es darf dafür nicht suochen weder rat noch lere. Kein meister in nigromancia wart nie so wiser rete das ir ie wurde des todes vri noch heilig wis prophete dur den grossen ungewin ich dike gar betrübet bin, so nieman weis nu, wa dü sele kumet hin, so der tot den lip ermant, das er von leben kere. Gedanken, wie sie in diesem Spruche geäußert werden, haben zu allen Zeiten ihre Dichter gefunden. Ich erinnere an das ergreifende 15strophige Vanitasgedicht des Gryphius. Gelbhaus denkt hier wieder an die bereits erwähnte 33. Selicha und bemüht sogar Rabbi Jochanan mit seinem Schlußwort aus Berachot 17: „Das Ende des Menschen ist der Tod!" Roethe bemerkt: „Als die typischen Vertreter der Weisheit erscheinen bei ihm nicht die Pfaffen, sondern die Nekromanten und Propheten. Im angstvollen Gedenken an den Tod und die ungewisse Zukunft nachher fehlt ihm die freudige Zuversicht, die sich bei den christlichen Sängern meist einstellt: den Stachel des Todes fühlt er schmerzhaft voraus." Dem zuletzt geäußerten Gedanken muß man widersprechen. Roethe verkennt den Optimismus der Judenheit, die sogar im Mittelalter trotz aller Leiden und Verfolgungen niemals die frohe Zukunftshoffnung aufgegeben hat und immer wieder durch sie gestärkt wurde. Mag sein, daß hier eine individuelle schwermütige Veranlagung sich äußert, sonst könnte man eher glauben, daß gerade nach dieser Richtung hin Beeinflussung durch eine Umwelt vorliegt, auf die Mahnreden christlicher Bußprediger einzuwirken pflegten. Eine Übertreibung ist es, wenn Schmolke die Originalität der Gedanken Süßkinds rühmt, der „in manchen seiner Sprüche weit über den Vorstellungskreis seiner christlichen Kunstgenossen hinaus tritt. Man vergleiche den Schluß dieses Spruches". Es ist nicht unmöglich, daß bei dem Satze: „Niemand weiß, wohin die Seele kommt" Süßkind an Prediger 3, 21 gedacht hat oder nach mittelalterlicher jüdischer Anschauung zweifeln läßt zwischen Gan eden und Gehinnom. Vgl. auch Spruch 3, 9 ff. und Frauenlobs Verse*3). Zur Form. Diese und die beiden folgenden Strophen haben die gleiche Weise. Stollen und Abgesang sind durch denselben Schlußreim gebunden. In den Stollen reimen die übrigen sechshebigen Verse paarig. Im Abgesang folgt auf vier gekreuzte Reime der dreihebigen Verse ein Dreireim; der letzte Vers ist wieder sechshebig. 8. Vil maniger muos bescheiden wesen dur die not, der unbescheiden were, wan das im gebot sin meisterschaft, das er unfuoge muoste lassen. «) Bartsch 79, 360 ff. 149