Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 11)
- Language
- German
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Meier Spanier. Süßkind von Trimbere volkstümlich derbe Anschauung, in der das Ehethema zumeist bis an die Grenze des Burlesken von Fahrenden behandelt wird. Eine uralte Tradition, die schon aus den Erzvätergeschichten der Bibel hervorleuchtet, hat im Judentum eine Familienkultur begründet, in der z. B. eine Äußerung aus der gewiß doch von leidenschaftlicher Liebe erfüllten Ehe von Siegfried und Kriemhild: ouch hat er so zerblouwen darumbe nünen lip33), nicht zu erwarten ist34). Wenn man an die schönen Verse Er saelic man, si saelic wip, der herze ein ander sint mit triuwen bi! ich wil daz ir beider lip vil saelic sin ir jär und al ir zit35) an Walthers Mahnung: wir wellen, daz diu staetekeit in gxioten frouwen ein kröne si36) oder an den Abgesang in einem Liebesspruch Reinmars von Zweter: Und ob diu minne der zweier herze bünde, swä man diu beide undr einer decke fünde, daz arm mit arme sich besluzze, da möht wol sin der saelden dach, nu wol im, dem ez ie geschach! ich weiz daz wol, daz sin Got niht verdrüzze!37), so übersehe man nicht, daß hier von minne, also jener höfisch galanten Huldigung der Ehefrau eines anderen die Rede ist, nicht etwa von ehelicher Liebe. „Das Ziel der Minnehuldigung für den im Hofdienst stehenden Dichter war, durch Preis des Ruhmes und der Ehre des Herrn Lohn zu erhalten, der vornehme Herr mochte wohl nach leibhafterer Gunst streben." „Der unverhüllte Anspruch auf genäde, Erhörung, der reinen, guoten wibe bei Walther: halsen, triuten, bigelegen (92, 1) ist eine Stufenreihe der Gunstbezeugungen"38). Es ist hier nicht der Ort, trotz allem auf den veredelnden Wert des Minnesangs hinzuweisen: „in ihm liegen die Kräfte zu höherer Seelenbildung und zu feinerer Lebensform". Hier sollte nur auf den Unterschied der Anschauungen hingewiesen und die Tatsache verdeutlicht werden, daß Süßkinds Strophe keine Minnedichtung ist. Es ist außerordentlich bezeichnend, wenn Süßkind in der dichterischen Sprache seiner Zeit zusammentrifft mit Reinmar von Zweter, wenn dieser die Verehrung der Mutter Gottes als edelste Minne39) mit folgenden Wendungen äußert, die ich nach dem Gang unseres Gedichtes ordne: si ist reine, si muotet niht wan reines . . . er saelic man40), dem si gewinket eines . . . du unt din sun, des heiles tür, sint unser schirm vor Sünden unt vor schänden . . . si ist alles wandels fri . . -41) du erliuhtest vinster naht, als si mit sunnen si betagt . . .42). 33) Kriemhild im Nibelungenlied, Lachmann 837. 34) Über die Prügelstrafe für Frauen vgl. Roethe zu Reinmar 105, 8 und meine Anm. zu Murners Narrenbeschwörung 9, 8. ") Lachmann 95, 37 ff. **) das. 43, 29. 37) Roethe, Spruch 50. 38) Ehrismann, Anm. 1, S. 188. 39) Eine solche Verquickung der irdischen und himmlischen Minne war freilich durchaus nicht im Sinne der geistlichen Dichter. Vgl. Burdach 49. 40) „Reinmars Spezialität sind die Seligpreisungen er saelic der, meist im letzten Verse, mindestens am Schluß der Strophe." Roethe 326 f. mit vielen Beispielen. a) Die Makellosigkeit als ideale Eigenschaft der Frau s. Wilmanns III, 104. 42) Reinmar Sprüche 19 u. 21. 148