Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 10)
- Language
- German
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Meier Spanier. Süßkind von Trimberg Du bernst himel mit den stern, diu Schönheit iemer mag gewern, du hast ze geben gäbe vil der nicht zergat Dieses schöne religiöse Gedicht — ist es nicht sein schönstes? — ist an zwei wichtigen Stellen oft mißverstanden worden. 4. Vers: „König [Herr], an Herrlichkeit dirs nie gebrach" (Fürst, Krätzinger). „König! Alle Ehre gebühret dir allein" (Badt). Diese Übertragungen sind nicht richtig. Das Komma ist nicht hinter küng sondern hinter eren zu setzen. Die Anrede entspricht dem „König der Ehren" nach Psalm 24, 7 ff. Dadurch werden auch die Verse rhythmisch gleichmäßiger und ähnlich dem entsprechenden 4. und 5. Vers des im gleichen Ton gedichteten folgenden Spruches. 7. Vers: „Du schmückst den Himmel mit den Sternen", (Fürst, Krätzinger, Fritz Rosenthal) „Du schufst der Himmel und der Sterne Schar" (Badt). Hier ist die mitteldeutsche Form des transitiven Wortes brennen, bernen, nicht erkannt Das Mißverständnis trifft gerade einen Vers von schönstem lyrischen Eigenklang. Uz singt später mit intransitiver Anwendung des Wortes: „Der sternenvolle Himmel brennet." — Es ist gewiß nicht unmöglich, daß die Konzeption des Gedichtes durch das Maariw-Gebet mit beeinflußt ist (schon Franz Delitzsch, 1840, meint: „vielleicht schwebte dem Dichter das ihm sicher geläufige Maariw vor"), auch an Jesaja 45, 7, Arnos 5, 8 mag man denken. Aber viel wichtiger als der Anklang an Worte ist diese einheitliche Stimmung des Nachtgesanges, die, wenn durchaus verglichen werden soll, an den Preis der Erhabenheit und Allmacht Gottes im 8. Psalm erinnert Der gleichmäßige hallende Klang dieser Verse entspricht ganz dem erhabenen Inhalt. Stollen und Abgesang sind gleich geformt: drei Dreizeiler, deren dritter Vers mit gleichem Reim die Glieder bindet In diesem und dem folgenden Gedicht, das auch einen Klang religiöser Innigkeit hat, ist die Formgebung am schlichtesten. 6. Irs man krön ist das vil reine wip, iemer in wol eret ir wol werder lip, er selig man, dem dü guote si beschert. Der mag sunder zwivel mit ir sin iar willeclich vertriben stille und offenbar, er sich mit ir Sünden und schänden wert. Mit hoher stet ist si bedacht, ir lieht für löschet nit in nacht, ir hohes lop mit der meiste menge vert. Es ist nicht auffallend, daß manche Stellen dieses Gedichtes anklingen an Sprüche Salomos, die in den Kreisen der Fahrenden sehr populär waren32). Sprüche 31, 18 möchte ich zur Korrektur des Textes verwerten: ir lieht viur ihr helles Feuer, ist nicht gemeint, sondern das vur des Schreibers steht für vir, ver. Das ursprüngliche ist also das auch rhythmisch bessere: ir lieht virleschet niht in naht. In den Sprüchen wird diese Stelle auf den unermüdlichen Fleiß der Frau oder nach anderen auf ihren Wohlstand bezogen. Man darf bei Süßkind wohl an eine bildliche Auffassung denken, freilich nicht in der Art, wie Livius Fürst übersetzt: „ihr Licht erhellt ihm jeden trüben Tag". Viel wichtiger als dieses Äußerliche ist, daß hier die jüdische Anschauung von der hingebungsvollen Verehrung der Ehefrau zutage tritt — nicht die religiös verklärte altgermanische Schätzung der Jungfrau, die späterhin im Marienkult durchgeistigt und veredelt wurde, nicht die Verstiegenheit des modischen Minnedienstes mit seiner inneren Unwahrhaftigkeit, und am allerwenigsten jene 32) Sprüche 12, 4; 18, 22; 31, 18. 31; Prediger 9, 9. 10* |47