Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Meier Spanier. Süßkind von Trimberg ähnlich so), und zu der Wendung vom Gewürm der Verwesung zitiert er die Parallele beim Kanzler, bei Freidank „den wurmen ist der lip beschert" und als Quelle besonders Jesus Sirach 10, 13: „Denn wenn der Mensch gestorben; ist^ da wird er Maden , und Getier und Würmer bekommen" — eine ziemlich allgemein bekannte Erfahrung. Der Reiz des Süßkindschen Gedichtes liegt nicht in diesen wirklich nicht eigenartigen Gedanken, sondern in der schlicht-edlen Formung und in der Innigkeit und dem tiefen Ernst des Gefühlsausdruckes. 4. Gedenke nieman kan erwern den torn noch den wisen, darumbe sin gedenke vri uf aller hande sache. herz und sin dur gemach dem menschen sint gegeben. Gedenke anschleff e dur den stein, dur stahel un durch ysen, gedank kein achte, wie die hant dis unt das gemache, wie man gedenke nie gesach, si doch hört streben. Gedank ist sneller über velt, den der blik eis ougen. gedank glust bringet nach der minne golt, nach der gesichte tougen. gedank kan wol ob aln arn hoch in den lüften sweben. Daß das Spiel der Gedanken frei ist, wußte man natürlich schon früh in aller Welt Cicero pro Milone 29, 79: liberae sunt nostrae cogitationes. Aus der mittelhochdeutschen Literatur kann man Beispiele häufen. Schon Dietmar von Eist28) sagt: Gedenke die sint ledic fri. Walther29): Welt jr wizzen waz diu ougen sin, da mit ich si sihe dur elliu lant? es sint die gedanke des herzen min: da mite sihe ich dur müre und ouch dur want. Freidank30): so dicker müren sint niergen dri, ich gedenke wol durch si. Und Reinmar von Zweier31): Gewalt mac melden understän, gedanke muoz man ledic, ungevangen läzen gän. ez wart nie keiser, künec so her, der gedanke und merken künne erwern. Vgl. auch die Hinweise bei Wilmanns zu Walther 62, 19. Übrigens wird das Thema der Gedankenfreiheit von Süßkind nicht in der Art behandelt, daß inan ihn, wie auch schon versucht wurde, als einen Vorläufer des Marquis Posa charakterisieren dürfte. Es ist hier nicht von der Gedankenfreiheit als Forderung in religiöser oder politischer Hinsicht die Rede, sondern es äußert sich die naive Bewunderung der psychologischen Tatsache, daß bei aller sonstigen Gebundenheit, und Begrenztheit das Spiel der Gedanken seine eigenen Wege einschlagen kann. Zu Vers 6. Wörtlich: Der Gedanke achtet nicht darauf, wie die Hand dies und -das mache, — er ist unabhängig von äußerem Tun. Die Übersetzung — „Gedanken schierts nicht, ob die Tat auch ausgeführt mag werden" trifft wohl nicht den Sinn. 5. Küng, herre, hochgelopter got, was du vermacht! du lüchtest mit dem tage und finsterst mit der nacht, davon dü weit vil froide und ruowe hat. Küng aller eren, dir noch nie gebrast, wie den tag du zierest mit der sunnen glast, und ouch dü nacht dins manen Hecht wol stat. 2S) Minnesangs Frühling 34, 19. *>) Lachmann 29, 27 ff. so) 115,18. si) Roethe Nr. 64 S. 443. 14*