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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 145

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Süßkind von Trimberg
Date
1937-01-01
Page
Seite 145 (sequence 8)
Language
German
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Meier Spanier. Süßkind von Trimber? 3- Wenne ich gedenke, was ich was, ald was ich bin, ald was ich werden muos, so ist alle min froide dahin, und wie die tag mins lebens louffen von mir swinde. Unt ist das nicht ein iamer, süfzen, bernde not, das ich von tag zetage muos fürchten den tot, wie er mich bringe in der unreinen wurmen gesinde? Wie solt ich da bi vro gesin, so ich das als betrachte! so han ich an dem herzen min michel grosser achte wie das min sei dort kumber dol, — mit sünden was mir e so wol! almechtig herre, du bist aller gnaden vol, hilf mir, das min sei dort vor dir gnade vinde. Gelbhaus2*) meint: „Eine auffallende Ähnlichkeit hat dieses Gedicht mit der 33. Selicha zum Vorabende des Neujahrstages, deren Verfasser unbekannt ist. Dieselbe lautet: „Wie kann der Mensch frohgemut sein, da er jeden Tag dem Tode entgegensieht. Wie kann das Fleisch reden, es wird ja zur Grube getragen. Der Körper fällt in die Gruft. Wenige und traurige sind seine Tage. Es nahet rasch sein Ende, und es schwindet seine Hoffnung. Es erlischt sein Licht und es geht verloren sein Andenken. Unreines Gewürm ist sein Erbe, Motten herrschen über ihn." Wie der Autor, ist auch die Abfassungszeit dieser Selicha unbekannt. Da sie aber in der Gebetordnung auf das Bußgebet des R. Simon ben Jizchak, der im 11. Jahrhundert lebte, folgt, so dürfte sie auch dieser Zeit angehören. Die Vermutung liegt daher nahe, daß Süßkind von Trimberg selber der Verfasser sein könnte. Auch der Schluß des Gedichtes: almehtik herre usw. stimmt zur Apostrophe der selicha: „Wer dieses hört, der weine und sorge, er mehre Gebete und Almosen, vielleicht wird er von Schmerzen verschont." — Dies sei nur als ein Beispiel angeführt für die völlig kritiklose Reminiszenzenjagd dieses Autors. Dr. Bertha Badt hat in der Jüdischen Bücherei, Bd. 6, Süßkinds Gedichte vortrefflich in neuhochdeutsche Form gebracht (auf diese Übersetzung wird in Einzelbemerkungen hier einige Male hingewiesen). In ihrem Nachwort rückt sie zwar von der eben erwähnten Methode ab; aber sie verweist doch auch bei diesen nicht nur in der jüdischen Literatur populären Gedanken auf Sprüche der Väter 3, 1: Bedenke drei Dinge . . . woher du kommst, wohin du gehst und vor wem du Rechenschaft abgeben mußt. Und selbst das unreine Gewürm im selben Gedicht scheint wörtlich einer Stelle in dem Ausspruch desselben Weisen zu entsprechen: Wohin gehst du? — Zu Moder und Gewürm. Ich verweise demgegenüber auf Ulrich von Singenberg, einen jüngeren Zeitgenossen Walthers: „Wol im der denket, waz er was und ist und aber schiere wirt"25) und auf Reinmar von Zweter26): „Sich, mensche, vür dich, wer du bist, war üz du sist worden unt wer du wirst in kurzer vrist." Roethe gibt zu dieser Stelle eine große Zahl von Belegen für die volkstümliche Mahnung zum Nachdenken über die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es sei auch erinnert an die Stellen in Walthers Toleranzgedicht27). Zu dem hier ausgesprochenen Gedanken, daß Herr und Knecht nach dem Tode gleich sind, verweist Wilmanns auf Hiob 3, 19 (auch Wernher spricht ->4) a.a.O. S.80. 2i) Bartsch 30, 143 ff. 25) Spruch 190. Lachmann 22, 1 ff. 10 145

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