Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Meter Spanter. Süßkind von Trimberg 2. Kein besser latwerie nie gemachet wart, als ich 1er und künde von sinneklicher art, gesunt ze laster wunden und ze schänden Süchten. Mit fünf bimenten rein sol si gemenget sin: triiwe vnd zucht milti vn manheit hoert darin, dabi sol maset bülvern smeken unde trüchten. Dise latwerie ist er genant, ein bals ob allen spisen. mit ir wirt schänden not entrant; si zimt nicht dem unwisen; wem si wont stete bi, der ist vor houbt schänden vri. wol im des lip der latwerien büchse si! sin reines lop, sin hoher nam wirt bloeten unde früchten. Das Wort trübten ist bisher unerklärt. Lexer denkt an Ableitung von traht, Duft. Edward Schröder (briefliche Mitteilung) möchte eher an truht, Last, Frucht, denken. Dann wäre trühten Frucht ansetzen. Agathe Lasch (brieflich): „Ob es vielleicht bei den mannigfachen Fehlern der Überlieferung für ruhten stehen könnte? Zu dem Nomen gerucht, Geruch, also Geruch, Duft geben. Man käme so zu derselben Bedeutung, die auch Lexer hier findet, wenn er zu trüchten auf traht Duft weist." Der Reimzwang läßt wohl manchmal ein seltenes Wort, das vielleicht mundartlich nur noch gebraucht wurde, ans Versende kommen. Die Übersetzung: „Das Tränklein Ehre ist genannt, Es würzet alle Speisen" verschiebt etwas den Sinn. Ob allen spisen ist hier nicht auf, sondern über, höher als. (Vgl. Hoheslied 3, 6: Mehr denn aller Würzstaub des Krämers.) Zu Vers 12 houbetschanden. Reinmar, Spruch 192, nennt eine Dreizahl von Hauptsünden: Hoff art, Ungehorsam und Habgier; ähnlich Freidank (28, 19; 29, 10), der statt Ungehorsam — Neid oder Lieblosigkeit angibt. Nach Ehrismann22) entspricht ere in der mittelalterlichen weltlichen Morallehre dem „honestum". Diese Moralphilosophie, die in den Schulen gelehrt wurde, stützt sich hauptsächlich auf Ciceros „De officiis". Honestum ist die Kardinaltugend der Rechtschaffenheit. Hartmann von Aue nennt in seinem „ersten Büchlein" triuwe, milte, manheit. Im Kärlingischen Kräuterzauber werden acht Tugenden aufgezählt: milte, zuht, diemuot, dazu triuwe und staete, kiuscheit und schäme, gewislichiu (zuverlässige) manheit, d.i. sicheres, durch Anstand beherrschtes Auftreten23). Der Ursprung, die Gewürze als Tugenden auszulegen, liegt in der Erklärung zum Hohen Liede 3, 6. Die deutschen Übersetzungen und allegorischen Ausdeutungen des Hohen Liedes von Williram und dem St. Trudperter Autor wurden viel gelesen, und die Spielleute bemächtigten sich schon frühzeitig des Stoffes. 22) II, 2. Abschnitt, 1 S. 23. 2S) Ehrismann a. a. O. 157. Reinmar von Zweter spricht ähnlich, aber mit einem andern Bilde von der Ehre (Spruch 71). Manche Herren würden sie gastlich bei sich aufnehmen, wenn sie nicht zuviel Begleiterinnen hätte: Triuwe, Kiusche, Milte unt Manheit vert ir mite. Wie bei Süßkind schließt der Spruch mit dem Preis des Mannes, der die Ehre bei sich aufnimmt: er saeüc man, der sich ir underwinde! Über Tugendregister, die für die Spruchdichtung besonders charakteristisch sind, vgl. Roethe, Reinmar S. 318. 144