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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 142

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Süßkind von Trimberg
Date
1937-01-01
Page
Seite 142 (sequence 5)
Language
German
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Meier Spanier. SüBkind von Trimbere Als der Germanist Richard M. Meyer und der Dichter Karl Emil Franzos in dem Flecken Trimberg nach ihm fragten, zeigte man ihnen das Haus, in dem er einst gewohnt habe; und der Alte in diesem Hause erzählte, daß Süßkind es mit den Herren in der Burg gehalten, er sei ein „Schmuser** und „Beir läufer**, also eine Art Agent gewesen. Im Alter habe er Unglück gehabt. Er sei — als letzter Jude in Trimberg — von seinen Kindern verlassen, dort festorben. Mag, wenn ein Alter im Orte durch „Erbsage** von einem Juden üßkind etwas gehört haben will, Beeinflussung durch Literatenfragen vorliegen oder nicht, unser Süßkind kann nicht gemeint sein. So gewaltig war seine Leistung nicht, daß sie eine solch langdauemde Tradition hätte begründen können. Selbst der literarhistorisch interessierte Landsmann Süßkinds, Hugo von Trimberg (am Anfang des 14. Jahrhunderts), erwähnt ihn nicht unter der großen Zahl von Fahrenden, die er in seinem Lehrgedicht Renner aufführt. Man hüte sich überhaupt vor einer Überschätzung des Dichters Süßkind. Ihn in eine Reihe mit Wolfram von Eschenbach oder Walther von der Vogelweide zu stellen, das kann nur die Unkenntnis. Aber es ist schon etwas, daß er das gute Mittelmaß in der großen Zahl der Nachfahren Walthers als Spruchdichter nach Form und Gehalt erreicht und teilweise überragt, und sicherlich ist die Tatsache, daß ein jüdischer Spruchdichter, ausgerüstet mit der künstlerischen Bildung seiner Zeit, an den Höfen des Adels wirken konnte, kulturhistorisch wichtig genug. Die uns überlieferten Strophen machen in der Vielseitigkeit ihrer Themen den Eindruck einer Auswahl, und es ist nicht ganz unmöglich, wenn auch leider sehr unwahrscheinlich, daß ein glücklicher Zufall noch andere Dichtungen und vielleicht auch eine Nachricht über sein Leben uns schenkt. Wir möchten so gern von ihm noch etwas mehr wissen, als sich aus den in einer Handschrift überlieferten Strophen ergibt. Wenn er uns darin als ein ernster, edeldenkender Mann von großer Innerlichkeit erscheint, der auch in fremder Umgebung seine Herkunft und seine Brüder nicht vergißt, so dürfen wir andererseits auch annehmen, daß er das Glück hatte, in einem Kreise zu leben, in dem die tolerante Gesinnung der großen Dichter der Blütezeit mittelhochdeutscher Kultur noch nachwirkte. Auch in den trüben Zeiten der Judenverfolgungen gab es solche Oasen des Friedens. Aber freilich — auch auf sein Werk fällt schon ein Schatten traurigen Judenschicksals. Und diese Strophen sind sicherlich „echt"! 1. Wer adellichen tuot, den wil ich han für edel, wie man sins adels achtet nicht gen eim zedel. nu sieht man doch bekomen rosen von dem torne. Wa sich mischet vil Untugenden zuo dem adel, da mag das adelkleit wol werden ze einem hadel. nicht guot dem mel, da vil getreffes ist under körne! Wa adel adellicher Tat, der adel lütert immer, wa adel arkeit vil begat, verhowet guot gezimber. wer nicht si von hohem namen vnd sich Untugenden welle schämen, darzuo sin ding zuo dem besten kan gezamen; den heis ich edel, wie er nicht si von adel der geborne. 142

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