Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Süßkind von Trimberg
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 3)
- Language
- German
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AVeier Spanier. Süßkind von Trimberff Friedrich von der Hagen glaubte nun die Existenz dieses dichtenden Juden erweisen zu können, weil er in Längs Bayrischen Regesten5) die Tatsache verzeichnet fand, daß mit Bewilligung des Dompropstes das Dietrichsstift in Würzburg 1218 dem Juden Süßkind unter der Bedingung, eine unterirdische Wasserleitung anzulegen, einen kleinen Teil des Grundstücks verkaufte. Ein Über diese Angelegenheit entstandener Streit wurde, wie die Akten mitteilen, 1228 geschlichtet. Creizenach hat auf der Philologenversammlung in Würzburg 1868, auch unter Berufung auf diese Urkunden, gegen diejenigen polemisiert (Docen, Bartsch6), die den Autor der zwölf Sprüche nicht als Juden gelten lassen wollten. Wenn er wirklich gesagt hat (über seinen Vortrag liegt nur ein Referat in Pfeiffers Germania vor): Süßkind sei am St. Dietrichsstift Arzt am Leprosenspital gewesen7) — vielleicht hat er es nur als Vermutung geäußert, wie ja schon Koch „zu keck aus dem Rezept zur Tugendlatwerge schließt" (Delitzsch), daß er Arzt gewesen sei8) —, so ist diese Behauptung jedenfalls urkundlich nicht zu begründen. Creizenach spricht „über den zumeist nicht bekannten, lebhaften Anteil, den die Juden vom 13. bis 15. Jahrhundert an der deutschen Literatur genommen haben", und weist auf den verbreiteten Judennamen und auf das Bild des Juden in der Handschrift hin. Schon der kenntnisreiche Franz Delitzsch hat unter Hinweis auf Zunz' „Namen der Juden" die Identität jenes sicher wohlhabenden Würzburger Süßkind mit dem Trimberger Süßkind, allerdings sehr zaghaft, bezweifelt. Der Name Süßkind wird irrtümlich für einen Familiennamen gehalten, wei! man nicht weiß, daß dieser damals sehr verbreitete Name in profanem Gebrauch für den kirchlichen Namen Alexander verwendet wurde9). Damals war wohl in jeder größeren Judengemeinde ein Süßkind vorhanden, und der arme Trimberger Fahrende dieses Namens aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hat sicherlich 1218 kein Grundstücksgeschäft in Würzburg abschließen können10). Aus dem Bilde der Handschrift zu Nr. 119 fol. 355 a von Hand N 1 läßt sich nicht viel für die Charakteristik der Persönlichkeit Süßkinds erschließen. „Die Dinge sind mit den Augen der Enkel gesehen und in den äußeren Erscheinungsformen dieser späten Zeit wiedergegeben"11). „Alle diese Darstellungen führen ja nur von dem Gehalte der Dichtungen ab, die sie einleiten"12). Während von der Hagen aus dem Bilde herauslesen will, daß jener Würzburger Grundstückshandel abgeschlossen werden soll, meint Friedrich Panzer13): „er scheint mit dem Bischof von Konstanz eine Finanzaktion zu bereden". Was man nicht alles aus einem Bilde heraushören kann! In Wirklichkeit beweist das Bild nur, daß der Maler, der wohl nicht einmal die Verse aufmerksam gelesen, sondern sich nur an die Oberschrift gehalten hat, einen Juden darstellen wollte. Er stattet ihn mit dem mittelalterlichen Spitzhut, mit langem Bart- und Haupthaar aus. Im übrigen kontrastiert er ihn rein dekorativ mit dem sitzenden Bischof und seinen beiden Begleitern. Vielleicht liegt noch eine Art Nachhall aus jener toleranten Zeit vor, in der eine vornehme Anschauung die besiegte Synagoge mindestens so schön darstellte wie die siegende Kirche (Straßburger Münster). Jedenfalls gibt unser Maler dem 5) 11,91 u. 153. 6) Burdach hätte das Fragezeichen, das er S. 135 seines Walther-Buches bei der Aufzählung der mitteldeutschen Fahrenden setzt „Suezkint der Jude (?) von Trimberg" bei einem Neudruck, wie ich von ihm selbst weiß, gestrichen. ') Noch im Jüd. Lex. V, 1512 wird es als Tatsache angegeben. 8) E. I. Koch, im Compend. d. teutschen Literaturgesch. 1798 II, 7. *) Zunz, Ges. Schriften 2, 27. 42. 30) Wie ein solcher Kauf aus den Verhältnissen der anwachsenden Würzburger Gemeinde zu verstehen ist, ersieht man aus der Germania Judaica s. v. Würzburg 477. Es ist daher auch irrig, wenn John Meier P. B. Beiträge 20, 341 verwandtschaftliche Beziehungen zum Dichter vermutet bei einem Juden Süßkind, der im Speyerer Achtbuch 1341 verzeichnet ist. ") Oechelhäuser bei Sillib, Panzer, Haseloff, S. 132. 12) Panzer a.a.O. S. 84. 13) a.a.O. S.73. 140