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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 139

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Süßkind von Trimberg
Date
1937-01-01
Page
Seite 139 (sequence 2)
Language
German
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Meier Spanier. SüBkind von Trimberg Seit dieser Zeit ist aber auch soviel Mißverständliches und Irreführendes geäußert worden, daß es sich lohnt, einmal deutlich zu sagen, was wir eigentlich von diesem „Minnesänger" oder gar „Troubadour" (Jüdisches Lexikon) wirklich wissen. Man muß das Wort „Minnesänger" schon in einem sehr weiten Sinne gebrauchen, um es überhaupt auf Süßkind anzuwenden. Die eigentliche Liebespoesie, wie sie in den höfischen Minneliedern sich äußerte, war ausschließliches Besitztum und Vorrecht des ritterlichen Standes2). „Minnesang ist ausgesprochene Gesellschaftsdichtung, mit allen Voraussetzungen aus der Gesellschaft erwachsen, in allen Äußerungen auf sie zielend"3). Die Übung dieser adligen Kunst darf man vom Juden Süßkind nicht erwarten. Wir kennen von ihm nur zwölf einstrophige Gedichte, „Sprüche" genannt, zumeist lehrhaften Inhalts. Dieser Spruchdichter Süßkind war ein Fahrender. Er trug seine Sprüche in ihrer Melodie an den verstreut liegenden Herrenhöf en vor. Ob er weit in deutschen Landen herumgekommen ist, wissen wir nicht, auch nicht, ob er irgendwelche Beziehungen zu dem alten, damals blühenden Rittergeschlecht derer von Trimberg hatte. Im Würzburgischen, in der Nähe seiner Heimat, die sich auch in den mitteldeutschen Formen seiner Sprache kundgibt, waren Herrschaften, wie z. B. die Henneberger Burggrafen, die den Sängern günstig waren. Sie zierte Milde, d.h. Freigebigkeit; denn natürlich waren die Fahrenden auf die Gaben der Begüterten zu ihrem Lebensunterhalte angewiesen. Die Gehrenden bürgerlicher Herkunft aus diesen Gegenden, im Gegensatz zu den aus Oberdeutschland stammenden Sängern, blieben fast alle auf dem Boden der seit ältester Zeit von den Fahrenden geübten Spruchpoesie*). Vielleicht stand Süßkind als Jude nicht allein unter den Fahrenden. Es war eine sehr zahlreiche und bunte Menge, die damals durch die Lande streifte, für Abwechslung im Einerlei des Tages, für die Übermittlung von Neuigkeiten und für geistige Anregung auf einsamen Herrenhöfen sorgte. Zu der vornehmsten Schicht dieser fahrenden Spielleute, „Künstler" und Spaßmacher, gehörte Süßkind als Dichter und Sänger seiner eigenen Gedichte; sie vor allem muß man kennen lernen, wenn man wissen will, wer Süßkind \on Trimberg war. Nicht viele Tatsachen der Literaturgeschichte sind so gesichert wie die in der Handschrift gekennzeichnete (durch die kleine Vorschrift Säskint von Trimberg ein Jade und durch die rote Überschrift des Bildes Säskint der Jude von Trimberg). Wenn man nun dennoch diese Autorschaft bezweifelt hat, so wohl hauptsächlich deshalb, weil man für undenkbar hielt, daß ein Jude in der Blütezeit des Rittertums „Minnesänger" sein konnte und weil man den Namen selbst falsch beurteilte. 1896. — John Meier, Paul u. Braune, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 20 (1895), 341 f. (Entgegnung). — Gustav Roethe, Allgemeine Deutsche Biographie, 37, 334 ff. — B. Badt, Die Lieder des Süßkind von Trimberg (Übertragung.) 1920. 6. Bd. der Jüdischen Bücherei, Fritz Gurlitt. — Meier Spanier, Central-Verein-Zeitung. 1927. Nr. 31/32. S. 454 f., Jüdische Schulzeitung 1933, Nr. 4 S. 2 ff. — Lachmann-Kraus, Gedichte Walthers von der Vogelweide 10. Ausgabe 1936. — W. Wilmanns, Leben und Dichten Walthers. 1882; Walther von der Vogelweide, hgg. u. erkl. 2. Aufl. 1883. — Reinmar von Zweter, Ausgabe Roethe, 1887. — Karl Bartsch, Deutsche Liederdichter. 7. Aufl. 1914. Nr. 74 (2 Strophen). — Konrad Burdach, Reinmar der Alte und Walther von der Vogelweide. 2. Aufl. 1928. — Gustav Ehrismann, Geschichte der deutschen Literatur bis zum Ausgange des Mittelalters. IL Teil: die mittelhochdeutsche Literatur 1. Hälfte 1927,2. Hälfte 1935. 2) s. Burdach, S. 252 u. 417. s) Friedrich Panzer, S. 84. *) Burdach, S. 135. 139

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