Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Max Freudenthal
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Freudenthal in gründlichen Studien zu verarbeiten. Er wurde in den Archiven heimisch und benutzte mehr als 40 Jahre hindurch jede Freizeit, die er seinem arbeitsreichen Amt abringen konnte, zu archivalischen Forschungen. Die gründliche philosophische Bildung und sein vom Vater ererbtes pädagogisches Interesse gaben seiner gesamten Amtsführung, seinen wissenschaftlichen Arbeiten und auch seinen geschichtlichen Studien das Gepräge. Er war bestrebt, über das Einzelne zum Ganzen, zum Begrifflichen vorzudringen. Als sein Gebiet wählte er die neuere Geschichte. Das historische Thema, das er zunächst bearbeitete, „Die ersten Emanzipationsbestrebungen der Juden in Breslau", behandelte in der Hauptsache die dortigen Bestrebungen zur Einführung moderner Bildung. In seinem ersten rabbinischen Amte in Dessau trat ihm das Phänomen Moses Mendelssohn entgegen, und er versuchte, mittels eingehender archivalischer Forschung in das Geheimnis dieser Persönlichkeit einzudringen. Das Problem Mendelssohn und die anhaltinischen Archive ließen ihn nicht mehr los, dauernd setzte er die dortigen Studien eifrig fort. Sein Mendelssohn-Buch festigte sein Ansehen als exakter historischer Forscher derart, daß er der Ehre gewürdigt wurde, das von David Kaufmann begonnene Werk über die Familie Gomperz zu vollenden. Es ist unter seinen Händen ein völlig neues Buch geworden und ihm die Brücke zu Untersuchungen über den Anteil der Juden am Merkantilismus gewesen. Seine Arbeiten über die Hofjuden, die Betätigung der Juden an den Leipziger Messen, zahlreiche familienge schichtliche Untersuchungen und Rabbinerbiographien gehen letzten Endes auf die tiefschürfende Arbeit an den ,Gomperz' zurück. So ernst er das rabbinische Amt mit seinen zahlreichen und mannigfachen Obliegenheiten nahm, seine Liebe galt stets der Geschichtsforschung, die er in freien Stunden unermüdlich pflegte und weitertrug. Als er in den letzten Jahren öfter Gelegenheit hatte, Schweden zu besuchen, erlernte er mit überraschender Schnelligkeit und Lebendigkeit die schwedische Sprache, um sich auch in die dortigen Archive und geschichtlichen Veröffentlichungen vertiefen und sie für sein Spezialgebiet verwerten zu können. In den letzten Jahren war es unsere Zeitschrift, die seinem Herzen am nächsten stand. Er nahm sein Amt als Herausgeber nicht leicht, las mit größter Sorgfalt und kritischer Aufmerksamkeit alle Eingänge. Er war ein gewissenhafter und zuverlässiger Ratgeber in allen Schwierigkeiten, jederzeit um das Wohl und Gedeihen der Zeitschrift besorgt. Er war — trotz des schweren Leidens, das ihn quälte — ein nie versagender Mitarbeiter, es ist kaum ein Heft der Zeitschrift erschienen, das nicht einen Beitrag von ihm enthielt. Wir beklagen den treuen, geraden, hilfsbereiten, freundschaftlichen Helfer! „Du wirst vermißt werden, denn dein Platz bleibt leer!" Berlin/Frankfurt a. M. Ismar Elbogen. Aron Freimann. ★ An Stelle von Rabbiner Dr. Freudenthal tritt Oberbibliothekar i. R. Dr. Moritz Stern-Berlin, der seit Begründung dieser Zeitschrift zu den „Mitwirkenden" gehörte, in den Kreis der Herausgeber. 130