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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 123

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
[Rezension]
Date
1937-01-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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Literatur stellen. Es gab Memorbücher, in denen die Orte einfach alphabetisch zusammengestellt waren, was schon zweifelhaft macht, ob es sich wirklich immer um Märtyrerortschaften handelt. In diese alphabetischen Vorlagen schoben die Abschreiber auch außerhalb der Reihe neue Namen ein, die sie vermißten. Man kann aus der Stellung dieser Namen nicht sicher auf ihre geographische Lage schließen. Oderberg (S. 40) und Judenburg (S. 59) haben beide keine richtige Stellung und können dasselbe bedeuten. Bressel (S. 41 und 103) bedeutet sicher trotz des verkehrten Einschubs Breslau und nicht Przemysl, das in den Memorbüchern nicht gebräuchlich ist. S. 49 ist Erlangen unmöglich und muß Nördlingcn heißen: daselbst hat ein Abschreiber neben Berlin auch noch Berlinchen eingefügt. Nymwegen und Jülich werden stets in der alten Aussprache aufgeführt Auch Grätz ist alter Name für Graz. Statt Hamburg (S. 89) muß es Homberg heißen. Busingen (S. 115) ist Pösing. In der Länderliste S. 59 bedeutet See niederländisch Zeeland; Ober- und Unterland hat Weinberg S. 14 richtig als die rheinischen Bezirke erklärt. Von den polnischen Ortschaften S. 103 sind Tschernigow, Wlodawa, Perejaslaw, Baryschewka, Bjelgorai, Cholm leicht festzustellen. In der Kursivschrift der älteren Vorlagen sind die Buchstaben Dalet, Sajin, Resch, sowie Waw, Lamed, Nun sehr ähnlich; daraus sind in den Abschriften viele Fehler zu erklären. Weinberg hat durch seine zuverlässigen historischen Forschungen besonders über die Geschichte der Juden in Bayern sich verdient gemacht. Wir dürfen ihm deshalb anläßlich seines 70. Geburtstages, den er jetzt begangen, in dieser Zeitschrift gleichfalls Dank und Wünsche aussprechen, vor allem den Wunsch, dessen Erfüllung ihm besonders am Herzen liegt, daß es ihm vergönnt sei, die Herausgabe der Bayerischen Memorbücher bis zum Abschluß durchführen zu können. München. Max Freudenthal. Franz Goldmann und Georg Wolff, Tod und Todesursachen unter den Berliner Juden. Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zentralwohlfahrtsstelle. (Schriften der Zentralwohlfahrtsstelle und der Abteilung Wirtschaftshilfe, Nr. XI.) Berlin 1937. Die Verfasser geben, nach einem Ziele und Grundsätze der Untersuchung aufzeigenden Vorwort von Professor Dr. E. Seligmann, dem Leiter der Gesundheitsverwaltung der Berliner jüdischen Gemeinde, einleitend eine Bibliographie früherer Versuche gleicher Richtung. Ihrer eigenen Untersuchung haben sie 14 038 Todesfälle in der jüdischen Gemeinde Berlin aus den Jahren 1924—1926, der Zeit um die vorletzte Volkszählung, und den Jahren 1932— 1934, der Zeit um die letzte Volkszählung, zugrundegelegt. Die vorbildliche Bearbeitung nach den strengen Methoden der modernen Medizinalstatistik ergibt, daß bei den Männern der jüdischen Bevölkerung Berlins und noch mehr bei den Frauen die Sterblichkeit unter derjenigen der Gesamtbevölkerung lag. Die Sterbeziffer der Säuglinge betrug nicht einmal die Hälfte der entsprechenden Ziffer der Gesamtbevölkerung, die Sterblichkeit der Greise war dagegen bei der jüdischen Bevölkerung erheblich höher. Die verschiedene Bedeutung der einzelnen Todesursachen für die beiden Bevölkerungsgruppen ist eingehend behandelt. Die Arbeit liefert Soziologen und Historikern exaktes Quellenmaterial für künftige Forschungen zur Demographie der Juden Berlins, versucht, aus der Pathologie der Juden Berlins die Frage nach der biologischen Eigenartigkeit und Einheitlichkeit der jüdischen Schicksalsgemeinschaft zu klären, und wirft dabei, was Seligmann mit Recht als Zeichen wahrer Wissenschaft kennzeichnet, in diesem Zusammenhange neue Fragen auf. Berlin. Albert J. Phiebig. Joachim Prinz, Das Leben im Ghetto. Jüdisches Schicksal in fünf Städten. Verlag Erwin Löwe, Berlin 1937. Das Buch, aus einer Reihe von Vorträgen hervorgegangen, die der Verfasser im Winter 1936/37 an der Ch. N. Bialik-Lehrstätte in Berlin gehalten hat, wendet bei seiner Darstellung des Lebens im Ghetto der Städte Alexandria, Amsterdam, Frankfurt a. M. und Prag die „Milieutheorie" als Methode an. „Es zeigte sich, daß gerade die Atmosphäre einer Stadt, die Trachten, das Leben der Straße, die Architektur der Häuser und der geistige Habitus der 123

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