Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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Literatur die Märtyrer in der Mark und in Mecklenburg. Übrigens sind in den älteren Memorbüchern die Länder- und Ortslisten vielfach durch besondere mittelalterliche, sehr schöne Schrifttypen hervorgehoben. — Für die Gelehrten- und Familiengeschichte bilden die Memorbücher eine ausgiebige Fundgrube. Zahlreich tauchen neue Namen von Rabbinen auf, denen noch näher nachzugehen, ist. Für die jetzt so eifrig betriebene Ahnenforschung bieten die Einträge vielfach fortlaufende Geschlechterreihen. Dabei schlingen sich von den einzelnen Gemeinden mannigfach Fäden nach anderen; des öfteren finden auch Persönlichkeiten aus fremden Gemeinden ihren Eintrag aus verwandtschaftlichen oder anderen Interessen, obwohl sie nicht hierorts gelebt haben. Dies gilt erst recht von den Märtyrern, deren Schicksal natürlich nicht bloß die Heimatgemeinde berührte. Weinberg ist in der Beurteilung der Zugehörigkeit mit Recht vorsichtig, in den literarischen Nachweisen umsichtig. Einige Korrekturen und Ergänzungen seien hier gegeben. Die Gemeinde Aub hatte mehrfache Beziehungen zu Worms und Frankfurt. Der Märtyrer Abraham Gerotwol (Nr. 39) stammte wohl auch aus Frankfurt (s. Dietz, Stammbuch,' S. 138). Eine Tochter von ihm namens Schönlein nennt Horovitz, Inschriften Nr. 577, wo jedoch das Todesjahr in 1628 zu verbessern ist (ihr Gatte Abraham Schwelm s. Inschrift Nr. 5444, ihr Sohn David Inschrift Nr. 713, wo das Todesjahr gleichfalls zu verbessern ist: statt 1646 muß es 1652 lauten nach Unna, Gedenkbuch, S. 291). In der Grabschrift der Schönlein ist der Name des Vaters mit der Märtyrerbezeichnung versehen, die auffällig in den Namen zu Aub Nr. 46 und 76 fehlt, so daß es fraglich ist, ob es sich hier auch um die Töchter des Märtyrers handelt. Sanwel Gelhäuser (Nr. 62) läßt sich zwar nicht in Worms, aber gleichfalls in Frankfurt nachweisen; Horovitz, Inschriften Nr. 614. Der Frauenname Olek, nicht Ulk, dürfte eine weibliche Variante von Alex sein; der männliche Name Alexander war ja sehr häufig im Gebrauch. Das Seelengedächtnis von Nr. 98, Jehuda ben Jekutiel, ist auch in Worms vorhanden (Kobez al Jad, III, S. 22), wobei Jehuda als Schwiegervater des Wormser Vorstehers Secklein Neuburg bezeichnet wird. Dessen Sohn Jehuda Loeb ist sowohl im Memorbuch Aub (Nr. 101) wie im Wormser Memorbuch (S. 26) aufgeführt. Der Gaon Ahron Luria, dessen Tochter Jutta Nr. 108 in Aub genannt wird, war in Frankfurt ansässig; seine Grabschrift bei Horovitz, Inschriften Nr. 458, die seiner Frau daselbst Nr. 493. Der in Memorbuch Eibelstadt genannte Mendel Bacharach findet sich bei Horovitz a. a. O. Nr. 786, freilich ohne rabbinischen Titel. Memorbuch Heidiragsfeld Nr. 14, R. Josua Heschel-Krakau hatte natürlich nie etwas mit Würzburg zu tun; es sei denn, daß ihm während seiner Flucht aus Polen und seines Aufenthaltes in Wien ein Rabbonusbrief für Würzburg zugesandt worden wäre. Er starb übrigens nicht 1664, sondern Sonntag, den 20. Tischri 424 21. Oktober 1663 (Grabinschrift bei Zunz, Ir Hazzedek, S. 179). Die in Nr. 15 und 17 aufgeführten Rabbiner gehören beide der Familie Brilin an; alles Wissenswerte darüber hat Wachstein in seinem Wiener Inschriftenwerk, Band II, S. 286 zusammengestellt. Die in Nr. 45 und 50 genannten Kinder des Juda Reis aus Wien aus der Familie Auerbach stammen sicherlich aus der von Wachstein a. a. O. Band 1, Nr. 146 angeführten Familie. Nr. 57, Gella, die Tochter des Loeb Rapoport, war die Tochter des Wolf ben Gabriel aus Fürth. Gabriel Fränkel oder ursprünglich Krailsheimer ist eine bekannte Persönlichkeit, die eine Synagoge und ein Lehrhaus in Fürth gestiftet hatte. Näheres über ihn s. bei Loewenstein, Zur Geschichte der Juden in Fürth, 2. Teil, unter Fränkel und unter Kräilsheim, da L. nicht wußte, daß es sich beidemal um dieselbe Persönlichkeit handelt. Die Familie kommt in den von Brann veröffentlichten Fürther Grabinschriften vor (Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann), die jedoch vielfacher Ergänzung und Verbesserung bedürfen. Rimpar Nr. 15, R. Löser ist vielleicht identisch mit Heidingsfeld Nr. 40 Israel Elieser. Jakob Samuel Schwabacher (S. 121) war niemals Rabbiner in Nikolsburg; die Abkürzung „Nasch" ist in Nordstetten aufzulösen. Das Richtige hat schon Loewenstein a. a. O. S. 20. Ober R. Isaak Kanina in Prag ist Hock, die Familien Prags, S. 320 zu vergleichen; der Name rührt von dem böhmischen Orte Knin her. Marktbreit Nr. 17, R. Isaak ben Meschullam ist wohl identisch mit Brilin (Heidingsfeld Nr. 17); der Vater Elieser hieß auch Meschullam. — Auf das Rätselraten bezüglich der Orts- und Länderlisten möchte ich mich aus dem oben angeführten Grunde nicht gerne einlassen, will aber Folgendes fest- 122