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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 104

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Briefe von Mannheimer Juden aus den Jahren 1695 bis 1697
Date
1937-01-01
Page
Seite 104 (sequence 7)
Language
German
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Berthold Rosenthal. Briefe von Mannheimer Juden aus den Jahren 1695 bis i'697 war, läßt sich nicht bestimmen — in Wort und Schrift der deutschen Sprache durchaus mächtig war. So geben unsere Briefe nicht nur das Geschehen und Erleben einer schweren Zeit wieder, es spiegelt sich in ihnen auch das Bild ihrer Schreiber, denen bei allen Widerwärtigkeiten das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nie entschwand, und die auf schlichte, darum ergreifende Art ihrem innigen Sehnen, wieder in die Heimat zurückkehren zu dürfen, Ausdruck verliehen. Brief I. Samuel Lorsch, Judt zu Eberbach, an H. H. Kistenmacher, Stattschreiber zu Mannheim, jetzt in Hanau. Eberbach, 4. Januvary 1695. Hoch geehrter Herr und guther freindt! Insbesondere Ich nicht viel zu melden, alsdaß ds. Hei: sein an mich geschriebenen brieff sambt ein Copia von der hochlöbl: hoffkammer hab ich den 1. Jan. 1695 zu recht erhalden und ersehen, alß der bescheidt ergangen, alß die Manheimer Juden sollen vor 2 Jahr, alß bieß auf den 1. August 1695 1 fl. 30x wegen die Freyschein bezahlen. Also und dieweillen kein Manheimer Jud oder von dennen Vorstehern zu FForth seinen und noch dagegen bey der hochlobl. hoffkamer etwaß könte gnedigst abbitten, also berichte ich hiermit, alß ich und meine Comraden zu Eberbach werden Unsere 6 fl. mit erster gelegenheith dem Herrn übersenden. Und im Übrigen habe ich den Herrn zu bitten, mir von Fernerem in allem verschonen und mich vor keinen Vorsteher zu nennen, da Er doch wohl selbsten bewußt ist, alß ich noch zu Heydelberg vor dem gantzen löbL Stattrath mein Vorsteherey hab übergeben und desgleichen protocolirth. Also nehme ich mich nunmehr kein Vorsteherey nicht an; habe vor mich genugsam zu thun, mein Stück Brott zu erwerben, und d. H. werthe das angesetzteß Gelt wegen die freyschein beßer wißen einziehen. Es werthe auch ein jeder sein Partion gern und williglich d. H. erlegen wie billich. Wo ich d. H. dienen kan, hart Ehr mihr allezeith zu befehlen und vorbleibe allezeith im schütz des lieben Herren. (Siegel: viereckig, mit abgeschrägten Ecken, wahrscheinlich mit Siegelring aufgedrückt: ^Ti;; Darunter ein Lamm, zu beiden Seiten ein Stern.) Brief II. Derselbe an denselben in Neu-Mannheim. Eberbach, den 9. Novembris 1695. Ich habe Im vorgangene woch hinterlaßen und von Ihme eine Zitation genohmen an Zachanaß Leb von Ladenberg wegen mein Schultforderung und zurück meineß wegß auff Ladenberg Ihne Juden Zacharias noch nicht zu haus gefunden und wegen meine ohnpäßlichkeit mit länger warten können. Also habe ich zu Ladeburg seiner frau mit guthe worthen und auch auff das Höchste hinderlaßen und dabey gemelt, alß ich ein Schreiben von d. H. an ihme hatte, so balt Ihr man Zacharias nach haus komme, mich zu berichten und zu schreiben. Weil ich nun noch biß dato kein buchstaben von Ihm gesehen habe und mich ferchte, wiederum eine zeit hinrumb zu fahren und kein gelt gesindt zu zahlen — alßo ist mein bittliches und rechtmäßiges bitten, das Er doch gemeltem Zacharias sein Freyschein nicht einhendigen wolle, biß Er zuvor d. H. eine handtdrey an einer Eeyt stath geben werte, inerhalb 14 tage zeit sich mit mihr vor d. H. zu Manheim will erscheinen und seinem billichen Spruch nachleben will. D. H. werde diennen wie alle Zeit. Vorhoffe, d. H. werthe so gut sein und mit diesem Potten mir ein Pahr Zeilen beantworten. D. H. mit deren seinigen vorbleiben im Schutz des lieben Gottes. (Petschaft: in kreisrundem Feld nD3PB 2"h. Oos Wappenbild, das undeutlich und teilweise beschädigt ist, könnte ein sprintender Löwe sein, der auch im pfälzischen Wappen war. hier aber mit dem Vornamen des Petschaftinhabers in Zusammenhang steht. Darüber befindet sich ein Stern.) 104

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