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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 101

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Briefe von Mannheimer Juden aus den Jahren 1695 bis 1697
Date
1937-01-01
Page
Seite 101 (sequence 4)
Language
German
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Berthold Rosenthal. Briefe von Mannheimer Juden aus den Jahren 1695 bis 1697 vom Stadtschreiber 23 Freischeine geben lassen und das Taschengeleitgeld noch nicht völlig abgeliefert- Lorsch will die Sache ins Reine bringen und schreibt an Levi, dessen Antwort er inhaltlich mitteilt. Aus ihr ist außer der Abrechnung ersichtlich, daß die Vorsteher von jedem Empfänger eines Freischeins noch einen Gulden zur Bestreitung der Gemeindeunkosten erhoben und den Stadtschreiber ersuchten, sich denselben Betrag auch von denjenigen geben zu lassen, die ihren Freischein bei ihm abholen. Nur die Armen sollen verschont werden. Bei der nächsten Frankfurter Ostermesse wollen die Vorsteher über die Verwendung der Gelder Rechenschaft ablegen. Der Stadtschreiber erhält für seine Mühewaltung eine Verehrung von U/2 fi. Die Anfrage am Schlüsse bezieht sich auf die Absicht der Regierung, die Mannheimer Juden zur Schutzgeldzahlung anzuhalten. Auf deren Ersuchen wurde hiervon Abstand genommen, da eine solche Abgabe mit den der Stadt erteilten Privilegien unvereinbar war15). Seit 1689 hatten acht Juden vom Exil aus um das Schutzrecht in Mannheim nachgesucht. Sie waren teils Söhne, teils Tochtermänner von Schutzjuden oder Ehegatten schutzberechtigter Witwen. Da ihrer Annahme nichts im Wege stand, machte der Stadtrat 1696 die Regierung darauf aufmerksam, daß die Neuaufzunehmenden zuvor einen Revers zu unterzeichnen und mit ihrem Siegel zu versehen hätten. Alsdann müßten sie nach einem von der Regierung an den Stadtrat ergangenen Annahmebefehl auch als Stadtbürger Pflicht leisten16). Die Regierung verlangte nun vom Stadtrat die Formel jenes Reverses, dessen Inhalt aus der Erinnerung, und wie er von alten Schirmsverwandten vernommen worden war, der Regierung übermittelt wurde17). Ende Oktober 1696 wurden die betreffenden Juden aufgefordert, sich im Laufe des November in Neu-Mannheim einzufinden. Jeder hatte dem Nächstfolgenden diese Vorladung durch einen Expressen (Extraboten) weiterztischicken. Am 31. Dezember konnte der Stadtrat der Regierung den Vollzug dieses Befehls melden, und am 9. September 1697 lieferte Bürgermeister Fuchs an die Hofkammer von jedem der neuen Schutzjuden 3 fl. Kanzleisporteln ab18). Inzwischen war auch der Annahmebefehl ergangen19), und jetzt fehlte nur noch die Verpflichtung. Ihre Verzögerung begründet der von David Levi geschriebene Brief IV. Die meisten der zur Pflichtleistung Befohlenen, meint der Schreiber, seien derzeit so arm, daß sie schwerlich vor der nächsten Frankfurter Messe kommen könnten. Auch sei die angeforderte Sportel von 5 Rtlr. nach der Alten Wissenschaft zu hoch. Im Namen seines Tochtermanns Wolf Low20), der einer der Neuaufgenommenen war, ersucht Levi, die Pflichtleistung bis zur Frankfurter Messe, mit der eine Zusammenkunft aller Mannheimer Juden verbunden sein wird, anstehen zu lassen. Samuel Oppenheimers in Wien, mit dessen Enkelin Miriam Guggenheim er verheiratet war, identifiziert. Nach 1689 baute er sein Haus „zum Leuchter" wieder auf. ") MA XV11 usw. Akt 29 (30.1.1696). ") MA XV11 usw. Akt 35 (22. IX. 1696). 17) MA XV11 usw. Akt 38 (8. X. 1696). 18) MA XV 11 usw. Akt 39 (31. XII. 1696), 40 (27. X. 1696), 43 (11. II. 1697), 49 (11. VI. 1697). 19) MA XV 11 usw. Akt 48 (2. V. 1697). 20) Dieser Wolt Löb war einer der rührigsten damaligen Mannheimer Geschäftsleute. Er bewohnte das Haus „zum grünen Römer" in der Breiten Straße. Ein über dem Hauseingange angebracht gewesener Stein, auf dem das Wappen und das Symbol des Hauses ausgehauen sind, befindet sich im Schloßmuseum. 101

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