Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Oberhofagent Feidel David
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2259275-2259308-2259311-2262705--4875-2262806- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oswald Lassally. Oberhofagent Feidel David, der Vorgänger Meyer Amschel Rothschilds zu verwenden. 1793 bat er um Schutz für seine sämtlichen Kinder „mann- und weiblichen Geschlechts", d.h. um das Recht, daß sie in Kassel ansässig bleiben dürften, das eigentlich nur dem ältesten Kind eines Schutzjuden zustand. Nach Dietz31) soll er 23 Kinder gehabt haben, es waren aber, wie wir aus seinem im Staatsarchiv in Marburg32) aufbewahrten Testament ersehen, nur 14, nämlich Hanna, David, Lea, Sara, Gumpert, Zippora, Brendel, Minckel, Levi, Jütchen, Amschel, Schoenchen, Rebeckchen und Vögelchen. Zu dem Gesuch nahm die Oberrentkammer am 2. Februar 1793 in folgender Weise Stellung: „Der Oberhof- und Cammeragent Feidel David, welcher in der hierbei zurückgehenden an uns zum Bericht remittierten Vorstellung um den Schutz für seine sämtlichen Kinder unterthänigst nachsucht, hat außer denen nach Frankfurt33), Hannover 34) und an den zu Hamburg kürzlich verstorbenen hiesigen Schutzjuden Popert35), desgleichen an den Schutz Loeb Herz Gans36) allhier bereits verheirateten vier ältesten Kindern (einen Sohn und drey Töchtern) dermalen nach der Judentabelle noch drey Söhne, wovon der älteste37) 19 und der jüngste3*) 8 Jahre alt ist, desgleichen noch fünf Töchter von 18 bis zu einem Jahre39) bey sich in Brod. Da durch die Aussteuerung der drey ältesten auswärts verheyratheten Kinder bereits ansehnliche Summen außer Land gegangen sind und wenn demnächst die jüngeren vielleicht ebenfalls auswärts etabliert werden sollten, beinahe das gesamte Feidelsche Vermögen, welches jedoch im Lande erworben ist, exportiert und dadurch besonders der Judenschaft eine sehr wesentliche Unterstützung bey ihren gemeinschaftlichen Lasten entzogen werden würde, wie solches die Vorsteher bereits bey einem ähnlichen Fall in der Goldschmidfschen Verlassenschafts-Sache bey der Oberrentkammer dringend vorgestellt haben. So sind wir sowohl in dieser Rücksicht als weil Supplikant wegen seines beträchtlichen Vermögens40) in der stärksten Anlage unter der gesamten Hessischen Judenschaft stehet, mithin zu den praestandis am mehrsten beytragen muß, des unzielgebenden Dafürhaltens, daß demselben die gnädigste Bewilligung seines Gesuches ebenso wie bey denen Gebrüdern Abraham zwar wol zu gönnen seyn möchte, müssen uns indessen in Ansehung der vermehrten Anzahl der Juden, welche nach einem neuen höchsten Befehl eingeschränkt werden soll, auf den Bericht, welchen wir auf das Gesuch gedachter Gebrüder Abraham am 10. October vorigen Jahres erstattet haben, devotest beziehen und das Weitere Höchster Entschließung mit tiefster Verehrung anheimstellen." 31) Frankfurter Handelsgeschichte, Bd. 4, Teil 2, S. 721. 32) NSB Schrank 81/4047. 33) Sohn David. Die Tochter Hanna, Ehefrau des Hoffaktors Gumperz Isaac Elias in Frankfurt a. M., war bereits gestorben und wird deshalb nicht mit aufgeführt. s*) Tochter Zippora, Ehefrau des Alexander Moses Levi. 35) Tochter Lea. 36) Tochter Sara. 57) Sohn Gumpert. 58) Sohn Anselm oder Amschel, später Adolf genannt. 39) Töchter Brendel (später verheiratet mit Süßkind Oppenheimer in Hamburg), Minckel (später Ehefrau des Moses Goldschmidt in Hamburg), Jettchen (später verheiratet mit Samson Goldschmidt in Kassel), Schönchen und Rebeckchen. Vögelchen, später Philippine genannt, Ehefrau des Philipp Raphael Beit in Hamburg, war noch nicht geboren. *°) Wie sich aus dem Testament Feidel Davids in Verbindung mit einer Empfangsbestätigung des Vormunds der vier jüngsten Kinder ergibt, hinterließ er bei seinem Tode ein Barvermögen von rund 338000 Mark, das Geschäftsvermögen und der Wert zweier Häuser nicht mitgerechnet. 90