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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 89

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 2-3
Article
Oberhofagent Feidel David
Date
1937-01-01
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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Oswald Lassally. Oberhofagent Feidel David, der Vorgänger Meyer Amschel Rothschilds Das Urteil der Historiker über die Stellung Feidel. Davids ist durchaus einheitlich. Dietz21) sagt von ihm, er sei mehr als 40 Jahre lang der erste jüdische Bankier in Kassel und der bevorzugte finanzielle Vertrauensmann der Landesherren gewesen, und nennt ihn unter den drei bedeutendsten und reichsten Hofjuden Kassels an erster Stelle-2). Bei Philipp Losch23) heißt es: „In Cassel galt Feidel David, der Geschäftsfreund des späteren Fürsten Wittgenstein, als einer der klügsten Geldmänner. Die dominierende Stellung der Rothschilds datiert erst seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts." Fürst Wittgenstein war Preußischer Gesandter am Hofe in Kassel. 1804 wurde er Fürst, 1812 Preußischer Geheimer Staatsrat, 1814 Polizeiminister und 1819 Hausminister24). Im Jahre 1796 wurde dem Grafen Wittgenstein das Privileg zur Errichtung eines Bankkontors erteilt. Es führte den Namen „GräfL Wittgenstein'sches Kreditkassen Kontor" und diente in erster Linie der Vermittlung der hessischen Gelder an das geldbedürftige Preußen25). Mit diesem Kreditkassenkontor stand also der Bankier Feidel David in enger Geschäftsverbindung. Auch im Gemeindeleben nahm Feidel David eine führende Stellung ein. Am 19. Juni 1767 wird er auf Ansuchen der Judenschaftsvorsteher zum „Assistenten" der Judenschaft auf Lebenszeit ernannt. Nach der Bestallungsurkunde2e) hat er den Judenschaftsvorstehern in Kassel und auf dem Lande nach seinem besten Wissen und Gewissen beizustehen, alles mit zu unterschreiben. Gelder dürfen ohne seine Unterschrift nicht ausgezahlt werden und ohne ihn keine judenschaftlichen Sachen vorgenommen noch traktieret werden. Jahrzehnte lang war er Vorsteher der Judenschaft des Landes Hessen. Als solcher verpflichtete er sich am 1. April 1774 mit den übrigen Vorstehern „einer vor alle und alle vor einen, mithin in solidum" 4000 Rtl. an die Generalkriegskasse „zur Tilgung deren pro 1772 und 1773 noch schuldigen rückständigen Judenschafts-, Silber- und Kriegsbeytrags Geldern" zu zahlen. Die einstweilen kreditierte Summe mußte mit 3v.H. verzinst und als Sicherheit das Vermögen der Unterzeichner verpfändet werden27). Um dieselbe Zeit unterzeichnete Feidel David als Vorsteher eine Eingabe betr. Haftbarmachung jüdischer Väter und Brotherren für Schulden ihrer Kinder und Domestiquen28). Im Jahre 1777 nimmt Feidel David die Juden von Oberaula „wegen ihres großen Vergehens" in eine Strafe. Die Regierung ist jedoch der Ansicht, daß es sich um einen Eingriff in ihre Strafgewalt handele, und Feidel David erhält am 10. Februar 1776 wegen seines Vorgehens einen Verweis29). Dieser kleine Zwischenfall änderte aber nichts an den guten Beziehungen zum Landgrafen30). Es ist selbstverständlich, daß Feidel David bestrebt war, seine einflußreiche Stellung bei dem Landgrafen auch zugunsten seiner Kinder 2*) Frankfurter Handelsgeschichte a.a.O., S. 721, 722, 731. 22) ebenso Conte Corti, a. a. O., S. 20 und Sauer, a. a. O., S. 78. 23) Losch, Kurfürst Wilhelm I., Landgraf von Hessen, Marburg 1923, S. 166, Anm. 1. 2*) Losch, a.a.O., S. 217. 25) Vgl. Sauer, a.a.O., S. 95. 26) Staatsarchiv Marburg, Akte Judenschaftl. Assistenten betr. (1767—1802) Blatt 1. 27) Manuskript Hass, fol. 623 b der Hessischen Landesbibliothek. 2*) Stadtarchiv Kassel, Akte E 350. 29) Staatsarchiv Marburg, Geh. Ratsakte 2427, Blatt 6—12 Rückseite. 3°) VgL R. Hallo, Geschichte der Familie Hallo, Privatdruck Kassel, 1930, S. 102, Anm. 20 und 21, und S. 103. 89

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