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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 39

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 39 (sequence 26)
Language
German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser Synagoge wunder wie weit voraus zu *sein, ebenso töricht handeln wie gewisse Orthodoxe, die sich und den ihrigen auf das strengste untersagen, eine Predigt im Tempel mit anzuhören"; und andererseits die, daß ßernays „der Ultra- Konservative durchaus nicht ist, zu dem man ihn gern stempeln möchte", während er sich selbst „sogar vielleicht einen Einfluß bei der hyperorthodoxen Partei erträumet, den er in Wahrheit nicht besitzt". Auch daß er „seine hellsten Theoreme für den engen Kreis seiner Famiiiaren aufspart — das alles wird keinen Billigdenkenden verhindern, einzusehen, daß er der modernen Richtung des Judentums weit näher steht als der entgegengesetzten. Und so lehrt denn auch die Erfahrung, daß Bernays den Klügern von der stationären Klasse ein weit schärferer Dorn im Auge ist als z. B. die Tempelprediger selbst . . Und ganz ebenso betrachtet der Referent „die damalige Weigerung der Herren Bing, Scheuer usf." lediglich „als Furcht vor dem vermeinten Himmelsstürmer". In diesem Aufsatz wird also das Bild des Rabbiners und Gelehrten Bernays energisch zurechtgerückt und gleichzeitig wesentlich vertieft. Die durch konkrete Züge belebte Darstellung wirkt überzeugender als das von liberaler wie von orthodoxer Seite auf Schwarzweiß Wirkung vereinfachte Bild. Daß nichts an ihr dem aus der Analyse des Bibelschen Orients gewonnenen Umriß widerspricht, ist unmittelbar einleuchtend. Und der Verfasser bietet auch ein unbefangenes Zeugnis von befreundeter Seite für die Verfasserschaft des Chacham daran (a.a.O. 295) in einer Erwähnung der Katechismen, gegen die Bernays sich „bereits bei seinem ersten öffentlichen Auftreten im ,bibelschen Orient7" erklärt habe. Mit dieser Darstellung berührt sich weitgehend Moses Mendelsons Aufsatz „Etwas über des sei. Bernays' Synagogalvorträge" im „Orient" von 1849 (Nr. 50, S. 218 f.), der gleichzeitig die Grundgedanken eines in der gleichen Zeitschrift erschienenen kurzen Nachrufs aus derselben Feder38) weiter ausführt. Im Nachruf heißt es: „Mit einem mächtigen, durchdringenden Scharfblick verstand er alles aufzufassen und das Aufgefaßte durch ein wunderbares Gedächtnis festzuhalten. Er war alle Fächer der Theologie, Philologie und Philosophie durchgegangen und erlangte schon als Jüngling einen großen Ruf in denselben. Auch war er der erste in der Neuzeit, der dem Talmud-Studium wiederum die wissenschaftliche Richtung gab. Mit ungetrübtem Blick ging er alle Schätze der hebräischen Literatur durch und gelangte dadurch zu einer reinen Anschauung der jüdischen Religionsphilosophie, die sich erst in späterer Zeit verallgemeinern wird. Seinen Glanzpunkt erreichte er in der Exegese ..." Der Aufsatz bezeichnet Bernays als „eine außergewöhnliche Erscheinung am Horizont des orthodoxen Judentums: ein Meteor, welches hellen Glanz, aber keine Wärme gibt und spurlos verschwindet". Denn er sei eigentlich Wissenschaftler und als Rabbiner „durchaus nicht auf seinem Platz", ja zu dieser Stellung, „wie er selbst oft äußerte, gar nicht befähigt" gewesen. Seine Ausbildung bestand bis zum 13. Jahr nur in Talmudunterricht, doch „ganz ohne Pilpul-Sophisterei", von der Bernays selbst „ein abgeschworner Feind" gewesen sei; später erst habe er profane Wissenschaften betrieben. Doch blieb er „in der Philosophie bei Schelling stehen und ging als Rabbiner nicht weiter, trieb auch als solcher nur Talmud, Exegese und Kabbala. Letztere Wissenschaft hat ihm, wie er mir oft versicherte, mehr Anstrengung und Kopfbrechens gekostet als all sein anderes Studium." Über die eigentlichen Synagogalvorträge des Chacham erzählt Mendelson: So „trat dieser Riesengeist vor die hl. Bundeslade, und mit festgeschlossenen Augen überschaute er den ganzen Schatz der heiligen Bücher, die Religionsphilosophie der Alten und Neuern, wie eine der Koryphäen aus der arabischen Schule. Nun zitierte er Bibelstellen und ganze Sätze aus dem Talmud, Sifri, Barajta und Midrasch, übersetzte sie höchst korrekt und machte seine Erklärung darüber mit einer Erhabenheit des Geistes und zugleich mit einer Freimütigkeit, die den Kenner in Entzücken und den 3>) Nr. 22 vom 2. 6. 1849, S. 105; vorher war (S. 9St\, am 19. 5.) schon eine sehr kritische Stimme laut geworden. 39

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