Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 24)
- Language
- German
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Hans Bach. „Der Biöcl'schc Orient" und sein V^rfnsscr mit einer etwas verlegenen Fußnote versehen, rühmt an „Dr. Berneys" dessen „ungewöhnliche talmudistisch-rabbinistische Gelehrsamkeit, ausgebreitete Kenntniß vieler todten und lebenden Sprachen und innigstes Vertrautsein mit den Philosophen und Dichtern aller Zeiten"35), spricht mit „höchster Achtung" von seiner „öffentlichen kritisch-etymologischen Schriftauslegung" und verteidigt gegen die „sogenannten Aufgeklärten hier" seinen „Eifer, das Nationelle des Volkes in jeder Beziehung aufrecht zu erhalten", seine „Geringschätzung des modernen Glaubens-Indifferentismus" und die Art der Vorträge dieses „biblischen Interpreten, die aller ästhetischen Schönheit, alles rhetorischen Schmuckes und Kanzeleffekts entbehren" und in denen die Schrift „nach dem Geiste des Judenthums nur mit Hülfe der talmudischen, rabbinistischen und anderen späteren jüdischen Commentatoren exegisirt wird." Eine wichtige Stimme findet sich in der gleichen „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", die 1842 Trägerin der schärfsten Angriffe gegen ßernays war, vom Jahre 1838, „Hamburger religiöse Zustände" betitelt und „M." gezeichnet36). Der Verfasser bezeichnet Bernays als „einen Mann, der eine beispiellos einflußreiche Stellung einnimmt, der früher mindestens mit einem Hauche seines Mundes die Religionsangelegenheiten Israels in halb Deutschland hätte umgestalten können"; doch ist Bernays auch eine „vielbesprochene Persönlichkeit, über die in der Gemeinde selbst die incohärentesten Urtheile, von der Vergötterung an abwärts, zirkuliren". Der Verfasser gibt zwei verschiedene Urteile wieder: „Da heißt es von der einen Seite: er tut nichts; der bemoosteste Bartrabbine hat mehr Sinn für Fortschritt mit der Zeit. Den großen Riß, der durch die ganze Judenheit geht und den das kleinste Kind schon empfindet, ignorirt er vornehm, schützt aber, um sich auch der geringsten Reform zu widersetzen, Furcht vor dem unbedeutendsten Dispüt vor. Sich schreibt er zu, was der Zeitgeist im Erziehungswesen auch ohne ihn getan hätte, während er eigentlich nichts wichtig achtet als seine theoretische Symbolik, die seine Predigten immer unverständlich, abstrus und durchaus unpraktisch macht usw. Von einer andern Seite hört man dagegen: er hegt und verbreitet nichts weniger als einen wahrhaft jüdisch-religiösen Sinn. Statt der unbedingten Folgsamkeit gegen alles, was Gesetzeskraft erlangt hat in Israel, füllt er die Köpfe an mit metaphysischen Grillen und Deduktionen und vernachlässigt alle die Mittel, durch welche unsere alten Rabbinen, ja sogar die ,neumodischen Prediger* die Herzen der Gläubigen zu erschrecken und zu schmelzen verstanden. Ausgezeichnete Frömmigkeit, wie doch ein Rabbine als vorleuchtendes Beispiel sie ausüben soll, ist nie bei ihm zu bemerken . . ." Demgegenüber sieht der Verfasser der Arbeit selbst in Bernays einen Mann, der „— wahrlich keine Kleinigkeit in unserm wie in jedem Zeitalter — den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen und fortzusetzen". Er hat es „gewagt, die Kette der Pseudo-Semicha37) zu unterbrechen, auf die leicht errungenen 3i) Vgl. im BO Erwähnungen und Zitate aus Homer (130, 57), Virgils „Aeneis" (I 57) und „Bucolica" (II 37); aus Philo (II 14, 27), Josephus (II 14), Sanchuniathon (I 21, 26) u.a.m. 3«) Nr. 45 und 47 vom 14. und 19.4.183S, S. 186ff.; vgl. dazu Nr. 64 vom 29.5., S. 257f. und Nr. 73 vom 19.6., S. 294f.; der Verfasser könnte nach Inhalt und Haltung der Arbeit und nach einer Anmerkung, die über ungenügende „Aufmunterung" der jüdischen Literatur in Hamburg klagt, Moses Mendelson sein, der selbst hebräische Gedichte schrieb. 37) Die Behauptung, Bernays habe weder von Herz Scheuer noch von Abraham Bing eine Rabbinatsordination (und ebensowenig je ein Universitätszeugnis) erhalten, spielt, als „Beweis" für seine Unfähigkeit, im Tempelstreit eine gewisse Rolle; in der Allg. Ztg. d. Judenthums 1842, S. 125 wird sogar behauptet, „der alte ehrliche Rabbiner Scheuer in Mainz" habe sich „standhaft geweigert, den damaligen Studiosus mit der Vokation als Chacham in der Tasche mit dem Titel Morenu Raw zur Thora aufrufen zu lassen". Demgegenüber schreibt Duckesz (Jahrbuch 5, 298) ihm nicht nur das Rabbinatsdiplom, sondern auch eine Stellung als Rabbinatsassessor bei Abraham Bing zu. Es ist deshalb umso bedauerlicher, daß Duckesz die „Auskunft" Abraham Bings, als Bernays nach Hamburg berufen wurde, a. a. O. nicht vollständig, sondern nur in einem 37