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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1937-01-01 · Heft 1 · p. Seite 33

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1937
Issue
Heft 1
Article
Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
Date
1937-01-01
Page
Seite 33 (sequence 20)
Language
German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser „innigster Freundschaft" stand, „umsomehr", wie er schreibt, „als wir in unseren literarischen Fächern Unzähliges zu besprechen und auszutauschen hatten". Also wäre nur das scharfe Entweder-Oder der Diskussion durch ein Sowohl-Als zu ersetzen? Doch nicht: von beiden Freunden sind zwar nicht viele, aber immerhin genug Arbeiten bekannt, die ein Urteil erlauben, sobald man nur die Basis persönlicher Überzeugungen verläßt und an die Zeugnisse selbst herantritt. Kaum ein anderes Werk könnte zu einer kritischen Prüfung der Verfasserfrage für die Persönlichkeit v. Kalbs so günstige Voraussetzungen darbieten wie dessen Einleitung unl Anmerkungen zu Spinozas Theologisch-Politischem Traktat. Es ist ein Bekenntniswerk, keine Brotarbeit: mit einem „furchtlosen Gemüthe" will er aussprechen, „was Spinoza theils nicht aussprechen wollte", teils, da es Vorgänge nach seinem Tode betrifft, nicht aussprechen konnte. (Das Buch ist denn auch rasch von der Münchener Polizei konfisziert worden, was bei der Schärfe des Angriffs gegen Papsttum und Katholizismus nicht zu verwundern ist.) Und Spinozas Werk zwingt den Interpreten, über seine eigene Stellung zu Judentum und Christentum nach der historischen wie nach der aktuellen Seite Farbe zu bekennen. in diesem Werk nun stellt sich v. Kalb als rationalistischer Aufklärer dar, der an Spinozas eigentümlicher Philosophie vorbeigeht und aus dessen Gedankenkreis weder den pantheistischen noch den historischentwicklungsgeschichtlichen Zug, sondern die — politisch noch stärker zugespitzte — Forderung nach Herrschaft der „Vernunft" und daneben, bibelwissenschaftlich, den Drang zum Kristallisieren „reiner", idealtypischer menschlicher Verhältnisse entnimmt: „Nur allein die Bildung des Verstandes macht den Menschen — die Menschheit — besser" (108); „hat man aber des Menschen Herz ... durch einfache Lehren zu gewinnen gesucht, so wird er Gerechtigkeit und Liebe üben, aus innerem eigenem Antriebe" (303). Diese Art zu denken ist von allem, was über Bernays' Gedanken bekannt ist, so grundverschieden, daß man sich über die Freundschaft wundern müßte, ergäben sich nicht doch im einzelnen mancherlei Berührungspunkte. Aber zunächst kommt es nicht auf Bemays* Meinungen, sondern auf die des Bibelschen Orients an. Und da ist nicht wenig Gemeinsames zu entdecken: die Abneigung gegen alles Katholische, hier freilich nicht auf Konzilien und Konstantinische Schenkung zurückprojiziert, sondern gegen die Jesuiten, gegen die Unfehlbarkeit des Papstes, gegen die politische Macht des Priestertums offen ausgesprochen und durch die Forderung nach Pressfreiheit (419 ff.), Bürgerheeren (364), Übertragung auch der geistlichen Herrschaft an den König (303, 3S3, 409), ja durch die Andeutung gelegentlicher Notwendigkeit von Revolutionen (394) ergänzt. Auch die Meinung, daß Christus das jüdische Religionsgesetz „als ewige Wahrheit und Notwendigkeit universalisiren" (93), es „aus jener Nation herausheben und der ganzen Menschheit im Geiste und in der Wahrheit übergeben" wollte (273), findet im Bibelschen Orient ihren Widerhall (II 31), ebenso die Auffassung, daß die Mysterien einer „glücklichen Vorzeit" (Einl. S. XXXV) im Kultus durch Mose nationalisiert worden seien (377; BO 11 24), und die von der nahen Verwandtschaft biblischer und indischer Schöpf ungs berichte (97). Ja einzelne Wendungen des Bibelschen Orients erweisen sich als Lieblingsausdrücke oder -Vorstellungen v. Kalbs, wie die Ironie über die Fähigkeit der Kirche, „den Beutel zu lösen und den Geist zu binden" (II 59; S. 115, 279, Einl. XII) oder die Legende von Christus, der sich mit Mose und Elias auf dem Berge Tabor unterredete (II 39): „sie waren alle verklärt und Eines" (369, Einl. XVIII Anm.). 3 33

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