Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Bibel'sche Orient und sein Verfasser
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 19)
- Language
- German
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Hans Bach. „Der Bibel'sche Orient" und sein Verfasser gere Schülergeneration des Chacham war überzeugt davon, daß dieser nicht der Verfasser des so schwer diskreditierten Werkes22) sei. Dr. S. P. Nathan, Lehrer an der Talmud-Tora-Schule in Hamburg, hat Eduard Duckesz gegenüber „mit Bestimmtheit erklärt, er wisse, daß Bernajs den Bibelschen Orient nicht verfaßt hat. Der wirkliche Verfasser ist vielmehr Professor v. Kalb in München"23). Alfred Feilchenfeld 24) erwähnt zwar die Verfasserschaft des Professors von Kalb nicht, doch vertritt er die Meinung, im späteren Leben des Chacham habe sich nie irgendeine Übereinstimmung von dessen Ansichten mit denen des Werks gezeigt. Von diesen beiden Quellen aus ist der Widerspruch gegen die Autorschaft des Chacham in mehrere der neueren jüdischen Nachschlagewerke übergegangen. Auch Max Wiener bezeichnet sie (a.a.O. S. 116) als „sehr zweifelhaft". IV. Die über hundertjährige Diskussion der Verfasserfrage hat nur die zwei Namen des Chacham Isaak Bernays und des Professors J. A. von Kalb25) erbracht; höchstens käme die Andeutung Philippis dazu, daß der Autor sich Wolf Heidenheims Hilfe bedient habe. Die beiden ersten sind eng befreundet gewesen; und Wolf Heidenheim muß mindestens Bernays sehr gut gekannt haben, denn er hat ihn mit ebenso großem Lob nach Hamburg empfohlen26) wie der protestantische Freund27). Über diesen engen Kreis ist nie eine Vermutung hinausgegangen. Dem 63jährigen Wolf Heidenheim mag man zwar eine Hilfe in Einzelfragen, doch keine so ausführliche und konsequente Arbeit auf Grund der modernsten, noch nicht einmal gedruckten philosophischen Lehre zutrauen. Hat der Professor von Kalb sich der Hilfe eines jüdischen Gelehrten bedient, so doch wohl in erster Linie der von Bernays, mit dem er in 22) Wie sehr die Polemik von 1842 dem Andenken des Chacham sogar in orthodoxen Kreisen geschadet hatte, dafür vgl. B. Rippner, MGWJ Bd. 30 (1881), S. 341 f. 23) Eduard Duckesz, Iwoh Lemoschaw, Krakau 1903, S. XXX; so schreibt Duckesz, wobei nicht ganz klar ist, ob Dr. Nathan oder er selbst für die Autorschaft des Professors v. Kalb eintritt. 2i) Jewish Encyclopedia II 91. 25) Über den Professor v. Kalb fehlen in jener notizensammelnden Zeit fast alle Nachrichten; sogar die speziell bayrischen Celehrtenverzeichnisse enthalten seinen Namen nicht. Nur einer der späten Nachträge von J. G. Meusels Gelehrtem Deutschland (5. A., Lemgo 1834, Bd. 11, S. 80) führt drei seiner Arbeiten auf: a) Evangelium, Licht, Lehre, Wahrheit. Eine Zeitschrift für Protestanten inn- und außerhalb des Königreichs Bayern, in monatlichen Heften. München 1822 (in keiner deutschen öffentlichen Bibliothek vorhanden); b) Biographie des kurfürstlich Bayrischen Staatskanzlers A. W. Freyherr v. Kreittmayer, München 1825; c) Theologisch-Politische Abhandlungen von Spinoza. Freye Uebersetzung und mit Anmerkungen begleitet von Dr. J. A. Kalb, München 1826. — Von Kalb selbst verweist in einer der Anmerkungen des letztgenannten Werkes (S. 69) auf ein „größeres Werk seiner Bibel-Erklärungen", das ungedruckt geblieben zu sein scheint; die Rezension des Conversationsblatts deutet an, daß er in München vor einem „gebildeten Publicum" Bibelvorträge hielt. Von Beruf dürfte er Gymnasialprofessor, an Alter seinem Freunde Bernays bedeutend überlegen gewesen sein, da er in der Einleitung des Spinoza-Werkes bekennt, „in den bibel'schen Forschungen ... seit 21 Jahren" nur Spinozas Leitung gefolgt zu sein (S. XXf.). 26) MGWJ 1932, S. 11 aus Rödelheim 29.4.1821, wahrscheinlich an M. Frankfurter oder dessen Sohn Moses Mendelson. 2T) Von E. Duckesz im Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft Frankfurt a. M., Bd. 5 (1907), S. 299 ff., veröffentlicht. 32